Editorial

Wege zum Re-Start

Karl-Heinz Paqué, Herausgeber und Vorsitzender des Vorstands der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.

Liebe Leserinnen und Leser,

vor genau einem Jahr schrieb ich an dieser Stelle über die Angst. Angesichts des noch unbekannten Coronavirus hatte sich eine Beklommenheit breitgemacht, die in eine politische, ökonomische und gesellschaftliche Krise münden würde. Die Krise kam tatsächlich, und sie ist noch lange nicht überwunden. Die Angst vor dem Virus bleibt für viele Menschen allgegenwärtig. Unterlegt wird sie von einem Gefühl permanenter Unsicherheit, das fast alle Lebensbereiche durchdringt. Eine Unsicherheit, die sich angesichts einer misslungenen Impfkam­pagne, wiederkehrender Lockdowns und trüber wirtschaftlicher Aussichten weiter verstärkt. Wie konnte es in einem Land, das sich gerne als Meister der Organisation und der Zuverlässigkeit darstellt, so weit kommen?

Die Pandemie verschärft in vielerlei Hinsicht einen bestehenden Trend. Selbst in Schwellenländern funktioniert mittlerweile vieles besser als hierzulande. Das Wirtschaftswachstum hat bereits vor Corona abgenommen; der Zustand von Verwaltung, Infrastruktur und Bildungssystem hinkt seit Jahren unseren eigenen Ansprüchen hinterher. Es droht eine dauerhafte Schwäche der Leistungskraft der Gesellschaft, wenn der Staat dem nicht entschlossen entgegentritt. Schafft die Politik keine Perspektiven mit Anreizen zur Eigenverantwortung, verlieren sich die Menschen in einer resignativen Starre, warnt der Gründer des Rheingold-Instituts, Stephan Grünewald, im Interview mit Liberal.

In dieser Ausgabe suchen wir nach den Ursachen dieser Unsicherheit. Der Philosoph Philipp Hübl erkennt sie in der fundamentalistischen Technologieopposition linker wie rechter Lager, die Psychologin Birgit Langebartels im Strukturverlust durch die Einschränkungen der individuellen Freiheiten. Nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik war die Bevölkerung in ihren Grundrechten so stark eingeschränkt wie in dieser Pandemie. Auch dies trägt zur allgemeinen Verunsicherung bei. Wolfram Eilenberger fordert daher im Leitartikel, die Erstarrung in Angst und Sorge zu überwinden. Sie ist der Feind einer jeden Politik der Freiheit.

Es sind die Potenziale der Menschen, die geweckt werden müssen, um die Krise nachhaltig zu überwinden. Im Zeichen der Unsicherheit, mit dem nächsten Lockdown in Sichtweite, wird uns das nicht gelingen. Daher wollen wir Wege aus der Unsicherheit und Perspektiven für den Re-Start nach dem Stillstand aufzeigen. Denn nur mit Hoffnung und Optimismus werden wir den aktuellen und künftigen Herausforderungen gewachsen sein.

Foto: Photothek/Thomas Imo