GEDENKEN

Vater der liberalen Außenpolitik

Vor 100 Jahren wurde Walther Rathenau ermordet. Er machte sich nach dem Ersten Weltkrieg stark für die Bindung Deutschlands an den Westen.

TEXT: WOLTHER VON KIESERITZKY

GEDENKEN

Vater der liberalen Außen-politik

Vor 100 Jahren wurde Walther Rathenau ermordet. Er machte sich nach dem Ersten Weltkrieg stark für die Bindung Deutschlands an den Westen.

TEXT: WOLTHER VON KIESERITZKY

Walther Rathenau wurde am 24. Juni 1922 Opfer einer rechtsradikalen Verschwörung gegen die Republik. In seiner kurzen Amtszeit von nicht einmal fünf Monaten als Außenminister hatte er eine liberale Tradition der deutschen Außenpolitik begründet. In deren Zentrum stand für ihn die Annäherung an die westlichen Werte mit dem Ziel einer Bindung an den Westen sowie die gleichzeitige Verständigung mit den Nachbarstaaten und Russland. Mit dem außenpolitischen Primat des Gewaltverzichts und der Kooperation trug Rathenau – auf lange Sicht – zur Umorientierung der deutschen und gesamten europäischen Außenpolitik bei.

Der 1867 geborene Berliner Unternehmer und Publizist hatte sich nach dem Ersten Weltkrieg der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) angeschlossen und gehörte seit Sommer 1921 dem Parteivorstand an. Von Anfang an plädierte er innen- und außenpolitisch für die Verständigung mit den ehemaligen Kriegsgegnern im Westen. Ansatzpunkt war das vernünftige Kalkül, dass eine Verbesserung der deutschen Lage zunächst die Bewältigung der Kriegsfolgen und insbesondere die Regelung der Reparationen voraussetzte. Damit gehörte Rathenau nicht zur Mehrheit im politischen Bürgertum, zumal er den Wiederaufstieg der deutschen Wirtschaft als Aufgabe sah, die nicht etwa im nationalen Alleingang zu schultern wäre, sondern vielmehr im Zusammenspiel der europäischen Mächte.

Rathenau war zu der Einsicht gelangt, dass die Last des bedrückenden Versailler Vertrags nicht durch Verweigerung, sondern nur durch Kooperation überwunden werden konnte und dass davon ganz Europa profitieren würde. Schon als Berater der Reichsregierung, dann als Wiederaufbauminister und schließlich als Außenminister suchte er die Verständigung mit den Siegermächten, vor allem mit Frankreich.

Die Person Rathenau wurde für diese Politik zum Symbol. Als Jude, als Vertreter eines demokratiebejahenden Liberalismus, als Verweigerer von Vereinfachungen und Ressentiments wurde er zudem zur Projektionsfläche all dessen, was Republikfeinden, Antisemiten und Populisten verhasst war. Walther Rathenau verteidigte das Recht und die Rechtsordnung, die Menschenrechte, wirtschaftliche Freizügigkeit und Zusammenarbeit gegen antiliberale, antidemokratische und nationalistische Engstirnigkeit.

Wolther von Kieseritzky ist Referent für historische Forschung bei der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.

Wolther von Kieseritzky ist Referent für historische Forschung bei der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.

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