Willkommen
im neuen Kopenhagen

Smart City: Diese Idee wird bei unserem nördlichsten Nachbarn Realität. Trotz wachsender Bevölkerung wird die Lebensqualität durch Vernetzung verbessert. In Deutschland gelten dagegen schon moderne Verkehrsleitsysteme mit der Anzeige freier Parkplätze als Fortschritt.

Text: André Lehmann
Illustration: Robert Samuel Hanson

Wieder einmal haben unsere nördlichen Nachbarn bei der Digitalisierung die Nase vorn. Die Dänen wollen ihre Hauptstadt Kopenhagen bis zum Jahr 2025 zur Smart City und zur CO2-neutralen Stadt machen. In Kopenhagen soll dann nur noch so viel Treibhausgas ausgestoßen werden, wie man selbst binden kann. Als Teil der Strategie zur Stadtentwicklung hat deshalb die international erste Plattform den Betrieb aufgenommen, die es allen Beteiligten erlaubt, anonymisierte Daten in großem Umfang auszutauschen. Es kommt nicht länger zu Datensilos, also zu abgeschotteten Datensätzen ohne Vergleichbarkeit. Zudem wird die Analyse der Daten nun auch demjenigen möglich, der sich deren Erhebung nicht leisten kann. Die liberale Überzeugung, dass von öffentlichen Stellen erhobene Daten frei zugänglich sein sollten, stößt hier an ihre Grenzen. Eine Trennung von kostenfreien und kostenpflichtigen Inhalten schwächt die Grundidee des Marktplatzes, die in der Kombination aller verfügbaren Daten liegt. Der kostenlose Zugang schmälert den Anreiz privater Unternehmen, selbst Daten zu erheben, auch wenn sie die nötigen Mittel zur Verfügung haben. Sie hoffen darauf, dass andere diese Aufgabe übernehmen, wodurch letztendlich weniger Informationen verfügbar sind. Ein Abo für den vollen Zugriff auf den Daten-Marktplatz scheint die beste Lösung zu sein. Davon unabhängig steht dieser Marktplatz namens „City Data Exchange“ Privatunternehmen und öffentlicher Verwaltung gleichermaßen offen. Damit erweist sich Kopenhagen als problemorientierter und innovativer als viele andere Städte – ganz ohne eine fertig ausformulierte Smart-City-Strategie.

Die Gemeinschaft profitiert

Das Problem, mit dem Großstädte überall auf dem Globus konfrontiert sind, ist letztlich das Ergebnis ihrer Attraktivität. Immer mehr Menschen ziehen dorthin, die Luftverschmutzung wächst, ein Verkehrsinfarkt droht. In der dänischen Hauptstadt, die als fahrradfreundliche Stadt bekannt ist, wird es selbst für die Drahtesel auf den Straßen eng. Doch man hat sich das Ziel gesetzt, dass die Lebensqualität der Einwohner unter dem andauernden Zuzug nicht leiden soll, und der vielfältig einsetzbare „City Data Exchange“ zeigt, wie digitale Antworten auf solche strukturellen Herausforderungen aussehen können. Er ist in Zusammenarbeit mit einem japanischen Technologieunternehmen entstanden, das zum Start der Plattform die ersten Apps lieferte.


Die erste App ermöglicht es Endverbrauchern und Unternehmen, mithilfe von Daten der dänischen Energieversorger, den eigenen CO2-Fußabdruck und Energieverbrauch zu berechnen und zu vergleichen. Die zweite App hilft den Bürgern, ihre Nutzung von Fahrrad, Auto und öffentlichen Nahverkehrsmitteln zu analysieren. Dabei kann die Anwendung nicht nur den jeweiligen Weg verfolgen, sondern ihn auch optimieren, zum Beispiel im Hinblick auf Zeitersparnis und Emissionsreduktion. Davon profitiert nicht nur der Einzelne, sondern auch die Gemeinschaft, denn eine effiziente Nutzung von Fortbewegungsmitteln verbessert die Verkehrsströme und vermeidet Staus.

Stressfreier, sicherer, sauberer

Apps können den besten Weg über verschiedene Verkehrsmittel hinweg errechnen, weil genügend vergleichbare Daten in Echtzeit zur Verfügung stehen. Außerdem können die Behörden mithilfe der Plattform die Verkehrsströme besser lenken, weil ihnen nun Daten über die Auslastung der öffentlichen Verkehrsmittel und der Straßen zur Verfügung stehen. Staus lassen sich vermeiden, indem man die Ampelschaltung an den Verkehr anpasst. Parkplätze und Ladesäulen für Elektroautos werden digital verwaltet.


Der „City Data Exchange“ wird jedoch nicht nur den Verkehr revolutionieren, sondern auch verschiedene städtische Dienstleistungen. Künftig werden intelligente Sensoren in Mülleimern platziert sein, um dort Daten zu erheben, die den Behörden helfen, die Abfallentsorgung effizient, sauber und umweltschonend zu gestalten. Eine ähnliche Aufgabe übernehmen intelligente Sensoren in den Abwasserkanälen. Die Großstadt der Zukunft wird stressfreier, sicherer und sauberer sein als bisher – und auf dem Weg dahin gehen die fortschrittsbegeisterten Dänen wie so oft beherzt voran.

SMARTE ZIELE, SMARTE UMSETZUNG

CO2-Emissionen Bis zum Jahr 2025 möchte Kopenhagen CO2-neutral werden.


Zero Waste Intelligente Abfallwirtschaft und Recycling sollen Müll erst gar nicht enstehen lassen.


Abwassersysteme Kläranlagen sollen durch Digitalisierung und Innovationen -effizienter werden.

Willkommen
im neuen Kopenhagen

Smart City: Diese Idee wird bei unserem nördlichsten Nachbarn Realität. Trotz wachsender Bevölkerung wird die Lebensqualität durch Vernetzung verbessert. In Deutschland gelten dagegen schon moderne Verkehrsleitsysteme mit der Anzeige freier Parkplätze als Fortschritt.

Text: André Lehmann Illustration: Robert Samuel Hanson

Wieder einmal haben unsere nördlichen Nachbarn bei der Digitalisierung die Nase vorn. Die Dänen wollen ihre Hauptstadt Kopenhagen bis zum Jahr 2025 zur Smart City und zur CO2-neutralen Stadt machen. In Kopenhagen soll dann nur noch so viel Treibhausgas ausgestoßen werden, wie man selbst binden kann. Als Teil der Strategie zur Stadtentwicklung hat deshalb die international erste Plattform den Betrieb aufgenommen, die es allen Beteiligten erlaubt, anonymisierte Daten in großem Umfang auszutauschen. Es kommt nicht länger zu Datensilos, also zu abgeschotteten Datensätzen ohne Vergleichbarkeit. Zudem wird die Analyse der Daten nun auch demjenigen möglich, der sich deren Erhebung nicht leisten kann. Die liberale Überzeugung, dass von öffentlichen Stellen erhobene Daten frei zugänglich sein sollten, stößt hier an ihre Grenzen. Eine Trennung von kostenfreien und kostenpflichtigen Inhalten schwächt die Grundidee des Marktplatzes, die in der Kombination aller verfügbaren Daten liegt. Der kostenlose Zugang schmälert den Anreiz privater Unternehmen, selbst Daten zu erheben, auch wenn sie die nötigen Mittel zur Verfügung haben. Sie hoffen darauf, dass andere diese Aufgabe übernehmen, wodurch letztendlich weniger Informationen verfügbar sind. Ein Abo für den vollen Zugriff auf den Daten-Marktplatz scheint die beste Lösung zu sein. Davon unabhängig steht dieser Marktplatz namens „City Data Exchange“ Privatunternehmen und öffentlicher Verwaltung gleichermaßen offen. Damit erweist sich Kopenhagen als problemorientierter und innovativer als viele andere Städte – ganz ohne eine fertig ausformulierte Smart-City-Strategie.

Die Gemeinschaft profitiert

Das Problem, mit dem Großstädte überall auf dem Globus konfrontiert sind, ist letztlich das Ergebnis ihrer Attraktivität. Immer mehr Menschen ziehen dorthin, die Luftverschmutzung wächst, ein Verkehrsinfarkt droht. In der dänischen Hauptstadt, die als fahrradfreundliche Stadt bekannt ist, wird es selbst für die Drahtesel auf den Straßen eng. Doch man hat sich das Ziel gesetzt, dass die Lebensqualität der Einwohner unter dem andauernden Zuzug nicht leiden soll, und der vielfältig einsetzbare „City Data Exchange“ zeigt, wie digitale Antworten auf solche strukturellen Herausforderungen aussehen können. Er ist in Zusammenarbeit mit einem japanischen Technologieunternehmen entstanden, das zum Start der Plattform die ersten Apps lieferte.


Die erste App ermöglicht es Endverbrauchern und Unternehmen, mithilfe von Daten der dänischen Energieversorger, den eigenen CO2-Fußabdruck und Energieverbrauch zu berechnen und zu vergleichen. Die zweite App hilft den Bürgern, ihre Nutzung von Fahrrad, Auto und öffentlichen Nahverkehrsmitteln zu analysieren. Dabei kann die Anwendung nicht nur den jeweiligen Weg verfolgen, sondern ihn auch optimieren, zum Beispiel im Hinblick auf Zeitersparnis und Emissionsreduktion. Davon profitiert nicht nur der Einzelne, sondern auch die Gemeinschaft, denn eine effiziente Nutzung von Fortbewegungsmitteln verbessert die Verkehrsströme und vermeidet Staus.

SMARTE ZIELE, SMARTE UMSETZUNG

CO2-Emissionen Bis zum Jahr 2025 möchte Kopenhagen CO2-neutral werden.


Zero Waste Intelligente Abfallwirtschaft und Recycling sollen Müll erst gar nicht enstehen lassen.


Abwassersysteme Kläranlagen sollen durch Digitalisierung und Innovationen -effizienter werden.

ANSÄTZE KOPENHAGENS FÜR EINE BESSERE UMWELTBILANZ

Bedarfsorientierte Müllentsorgung

Sensoren überprüfen den Zustand des Abwassersystems

Digitale Lärmschutzsysteme erhöhen die Lebensqualität

Verkehrsleitsysteme reduzieren CO2-Emissionen

Echtzeitkontrolle der Wasserqualität

Auswertung von Wetterdaten zur Senkung des Energieverbrauchs

Optimierung des Energieverbrauchs von Gebäuden

Echtzeitkontrolle der CO2-Emissionen zur Verbesserung der Luftqualität

Nutzung natürlicher Ressouren für klimaneutrale Energieerzeugung

Stressfreier, sicherer, sauberer

Apps können den besten Weg über verschiedene Verkehrsmittel hinweg errechnen, weil genügend vergleichbare Daten in Echtzeit zur Verfügung stehen. Außerdem können die Behörden mithilfe der Plattform die Verkehrsströme besser lenken, weil ihnen nun Daten über die Auslastung der öffentlichen Verkehrsmittel und der Straßen zur Verfügung stehen. Staus lassen sich vermeiden, indem man die Ampelschaltung an den Verkehr anpasst. Parkplätze und Ladesäulen für Elektroautos werden digital verwaltet.

Der „City Data Exchange“ wird jedoch nicht nur den Verkehr revolutionieren, sondern auch verschiedene städtische Dienstleistungen. Künftig werden intelligente Sensoren in Mülleimern platziert sein, um dort Daten zu erheben, die den Behörden helfen, die Abfallentsorgung effizient, sauber und umweltschonend zu gestalten. Eine ähnliche Aufgabe übernehmen intelligente Sensoren in den Abwasserkanälen. Die Großstadt der Zukunft wird stressfreier, sicherer und sauberer sein als bisher – und auf dem Weg dahin gehen die fortschrittsbegeisterten Dänen wie so oft beherzt voran.