Kultur

Der talentierte Mr. Chalamet

Er ist gerade das Heißeste, was im Kino zu sehen ist – und wird als der nächste Leonardo DiCaprio gehandelt: der junge und überbegabte Timothée Chalamet. Ein Porträt.

Text: Kira Brück Foto: Austin Hargrave / AUGUST

Es gibt diese Schauspieler, die man nie zuvor gesehen hat und die einen auf eine Weise berühren, dass man sie nicht mehr vergisst. Solche Talente sind rar gesät. Gerade ist es aber wieder so weit: Wir können in Echtzeit beobachten, wie ein Superstar entsteht. Meine Damen und Herren: Timothée Chalamet! Er wurde als Sohn einer Amerikanerin und eines Franzosen geboren und wuchs in New York auf. 2017 brillierte der heute 24-Jährige in „Call Me by Your Name“. Diese erste Hauptrolle brachte ihm als einen der jüngsten Schauspieler überhaupt eine Oscar-Nominierung ein. Es folgte „Lady Bird“. 2019 spielte er in gleich drei großen Filmen: „Beautiful Boy“, „The King“ und „A Rainy Day in New York“. Aktuell tänzelt er derart elektrisierend durch „Little Women“, dass es eine Freude ist, ihm zuzusehen. Und verdammt, diese Kostüme aus dem 19. Jahrhundert, sie stehen ihm verboten gut! Das klingt nach Bilderbuchkarriere und Posterboy. Was Chalamet aber von DiCaprio, Pitt und Clooney unterscheidet: Er ist nicht schön. Sondern dünn, jungenhaft, schlaksig. Dazu ein Mäusegesicht und der blasse Teint. Finden seine Fans alles ultragut. Denn gepaart mit seinem Intellekt, seiner Sensibilität und dem schrägen Humor ist der 24-Jährige vor allem eins: einzigartig. Unverwechselbar und ein bisschen schräg zu sein zählt für die junge Generation gerade mehr als Beauty und Perfektion. Was auch den ungeheuren Erfolg der Sängerin Billie Eilish erklärt.

Call Me by Your Name, 2017, ermöglichte Timothée Chalamet seinen Durchbruch. Der Film erzählt die Affäre zwischen einem 17-jährigen und einem 24-jährigen in einem Sommer im Italien der achtziger Jahre. Nach der Corona-Krise sollen die Dreharbeiten zur Fortsetzung „Find Me“, ebenfalls mit Chalamet, beginnen. Foto: imago stock&people

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A Rainy Day in New York, 2019, ist der jüngste Film von Woody Allen. In der Liebeskomödie spielt Timothée Chalamet in der Hauptrolle den College-Studenten Gatsby Welles. Der Film rief einige Kontroversen hervor, als Regisseur Allen mit Vorwürfen im Zuge der Me-Too-Bewegung konfrontiert wurde.

Dune, 2020 von Star-Regisseur Denis Villeneuve soll am 17. Dezember erscheinen. Ob der Termin angesichts der Corona-Krise eingehalten werden kann, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Foto: Warner Bros.

The King, 2019, ist ein vom Streamingdienst Netflix produziertes Historiendrama. Timothée Chalamet verkörpert in der Hauptrolle den jungen englischen König Heinrich IV.

Foto: Peter Mountain/Netflix

Also, warum meinen gerade alle, dieser moderne Dandy – bei der Oscar-Verleihung 2018 erschien er in einem weißen Hochwasser-Smoking! – sei der nächste Leonardo DiCaprio? Zum einen: Chalamet ist ein exzellenter Schauspieler. Zum anderen: Sein Charisma ist beinahe unbeschreiblich. Er hat eine ähnliche Sensibilität wie der ganz junge Leo in „Gilbert Grape“ und „Basketball Diaries“. Aber da ist noch mehr: Chalamet strahlt eine besondere Intellektualität aus, er hat ein bisschen was Verlorenes, Cooles und auch moralisch Ambivalentes. Ganz am Anfang von DiCaprios Karriere, als er noch in Independent Movies spielte, dachte man: Ein Megastar wird er vielleicht nicht. Aber dann kam „Titanic“ – der Rest ist Geschichte. Ein einziger Film kann alles ändern. So wird es auch bei Timothée Chalamet sein. Obwohl es so wirkt, als wolle er lieber ein Star des Independent-Kinos bleiben. Trotzdem: Wir wünschen ihm den ganz großen Durchbruch. Weil die Welt mehr solch besonderer Menschen braucht wie diesen talentierten Mr. Chalamet.


Kira Brück ist freie Journalistin und Autorin in Berlin. Ihre Texte wurden bereits bei Spiegel Online, in der Welt, der Barbara und Yaez veröffentlicht. 2016 veröffentlichte sie ihr erstes Sachbuch: „Der Tod kann mich mal!“