Editorial

Mutig sein

Karl-Heinz Paqué, Herausgeber und Vorsitzender des Vorstands der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Liebe Leserinnen und Leser,

die Welt steht still wie selten zuvor und ist doch in Aufruhr. Das Corona-Virus hat sich rasend schnell verbreitet, in fast allen Ländern gibt es Infizierte. Die Angst vor dem Virus sorgt für eine politische, ökonomische und gesellschaftliche Krise. Verbote prägen unser Leben und schränken unsere Freiheit in ungeahntem Maße ein – eine Freiheit, die wir längst als selbstverständlich empfunden haben. Kurzum: Die Corona-Krise stellt die Menschheit vor eine enorme Herausforderung, vielleicht die größte seit Jahrzehnten. Krisen sind Zeiten der Extreme. Bei manchen Menschen fördern sie das Schlechteste zutage, was sie zu bieten haben – das Horten von Toilettenpapier ist dabei eher noch ein Kuriosum mit überschaubarem Schaden. Aber das Böse bleibt doch im Großen und Ganzen eher die Ausnahme: Bei den allermeisten Menschen zeigt sich viel Gutes. Es gibt zuhauf Beispiele für verantwortungsvolles Verhalten: Schüler, Studenten und organisierte Fußballfans kaufen für ihre älteren Nachbarn ein, um ihnen die Risiken des Ausgangs zu ersparen. Überall auf der Welt applaudieren die Menschen von ihren Balkonen den Ärzten und Pflegekräften. Die viel zitierten Heldinnen und Helden des Alltags versorgen uns mit allem Lebensnotwendigen. Sie haben Mut. Sie sind Vorbilder in der Krise und darüber hinaus. Mit der Ausgabe der Liberal, die Ihnen vorliegt, wollen wie diese Menschen feiern und der Frage nachgehen, wie wir trotz der Krise gut und solidarisch leben können. Wir wollen Denkanstöße für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft liefern und uns den dringenden Fragen in einer herausfordernden Zeit widmen: Welche Folgen hat das Virus für unsere Welt der globalisierten Wertschöpfung? Wie steht es um die Menschenrechte in einer Zeit der tiefgreifenden Freiheitsbeschränkung? Welche Rolle gebührt dem Liberalismus in dieser Krise und danach, wenn die Lehren gezogen werden? Doch unser Blick geht – wie stets in Liberal – über den Tellerrand des Aktuellen hinaus. Der Rechtspopulismus grassiert weiterhin in unserer Gesellschaft und bedroht die liberale Demokratie in Europa. Wir stellen Ihnen eine Zahlungsbilanz der Zukunft vor, mit der versucht wird, künftig auch wirtschaftliche Größen aus den Bereichen Gesellschaft, Natur und Wissen zu messen. Und wir sprechen über die Zukunft des Films, mit einem, der es wissen muss: Volker Schlöndorff. Freuen Sie sich auf Beiträge von und mit dem Politikwissenschaftler Yascha Mounk, mit der Historikerin Hedwig Richter, mit dem Philosophen und Bestsellerautor Wolfram Eilenberger, mit Svenja Flaßpöhler, Karen Horn, Ralf Fücks und vielen anderen. Begleiten Sie uns durch eine Ausgabe der Liberal, die Mut machen soll – in schwierigen Zeiten, mit denen wir alle so nicht gerechnet haben. Mut spendet Trost und signalisiert Hoffnung. Und er ist Voraussetzung dafür, dass wir eine Chance haben, nicht an den Aufgaben zu scheitern, die vor uns liegen.