Thema / Mutmacher

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Highspeed-Hilfe für Corona-Patienten

Sieben Formel-1-Rennställe unterstützen Krankenhäuser in aller Welt im Kampf gegen die Folgen der Corona-Pandemie. Statt V6-Turbos werden jetzt Atemhilfen hergestellt. Sie können Patienten die Intensivstation ersparen.

Sieben Formel-1-Rennställe haben sich im „Project Pitlane“ zusammengeschlossen, um gegen die derzeitige Knappheit von Beatmungsgeräten für Corona-Betroffene in Krankenhäusern anzugehen. Das Ergebnis: die Massenproduktion von CPAP-Systemen (Continuous Positive Airway Pressure), mit denen Patienten beatmet werden können, ohne dass man sie auf die Intensivstation verlegen muss. Sie mildern die Krankheitssymptome schon im frühen Stadium ab und sorgen für die notwendige Sauerstoffversorgung. Solche Geräte hatten sich bereits in China und Italien bewährt, doch es gab viel zu wenige davon. Die Herstellung ist langwierig und kann angesichts der steigenden Fallzahlen in aller Welt kurzfristig nicht mit dem Bedarf Schritt halten. Darauf reagierte das Mercedes-Formel-1-Team und bot auf Anfrage des britischen National Health Service seine Hilfe an. Gemeinsam mit dem University College London haben Ingenieure von Mercedes-AMG, die sonst für die Schubkraft von Formel-1-Boliden sorgen, ein Gerät konzipiert, das sowohl in der Produktionszeit als auch im praktischen Einsatz seinem Vorgänger überlegen ist: Es ist schnell gebaut und narkosefrei einsetzbar.

Gute Bildung in der Ausnahme-situation

Eine Studenteninitiative bietet ehrenamtlich eine „Corona-School“ an

Homeschooling ist gar nicht so einfach. Diese Erfahrung machen aktuell viele Eltern. In den Mathematik-Unterrichtsstoff muss man sich erst mal wieder einarbeiten. Auch die Lateinkurse liegen oft bereits einige Jahre zurück. Und aktuell kann man nur selten und sporadisch beim zuständigen Lehrer zu den online gestellten Schulaufgaben nachfragen. Hier hilft die „Corona-School“, von einer Gruppe Studenten ins Leben gerufen, um Schülern zuhause unter die Arme zu greifen. Hier erhalten Schüler jeder Altersstufe und Schulform Unterstützung bei den Hausaufgaben, können ihren Lernstoff gemeinsam mit den Studenten durchgehen, Nachfragen stellen und sich alles in größeren Zusammenhängen erläutern lassen. Die

Anmeldung auf corona-school.de ist einfach. Wer sich registriert, kann Aufgaben hochladen, die er oder sie gerne bearbeiten möchte. Anschließend wird dem Schüler ein passender Student zugeordnet, mit dem er sich zum Chatten verabredet. Hier können Fragen dazu geklärt werden, wie die Aufgaben anzugehen sind. Den Machern der Plattform ist es sehr wichtig, dass die Studenten vertrauenswürdig sind und sich an die im Auswahlgespräch vereinbarten Grundsätze und Standards halten. Ohnehin wird eine Einwilligung der Erziehungsberechtigten aus Datenschutzgründen bei der Online-Registrierung gleich zu Anfang abgefragt, damit die Plattformbetreiber überhaupt die persönlichen Daten der Schüler verwenden dürfen. Diese kleine bürokratische Hürde muss sein – ansonsten sind Zugang und Anwendungen auf der Plattform kinderleicht. Dann kann man ohne Probleme mit dem gemeinsamen Lösen der Aufgaben beginnen.

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Zäune für den Zusammenhalt

Wie hilft man den Schwächsten in der Gesellschaft, wenn doch gerade die ganze Gesellschaft bedroht ist?

Viele Tafeln, die Obdachlosenhilfe und andere oft ehrenamtliche Hilfseinrichtungen sind aktuell nicht mehr im Stande, ihre Arbeit zu leisten. „Gabenzäune“ sollen Abhilfe schaffen. Sie sind schon in einigen Städten entstanden. Man kann einfach eine Tüte mit Lebensmitteln oder anderen Produkten für Obdachlose und Hilfsbedürftige packen, außen darauf schreiben, was enthalten ist, und sie dort an den Zaun hängen. Wo es einen solchen Gabenzaun gibt, lässt sich schnell und unkompliziert im Internet herausfinden. Es gibt noch keinen in ihrer Stadt? Eine gute Gelegenheit, den ersten Schritt zu tun und einen eigenen Gabenzaun einzurichten.

„Den Alltag auch in häuslicher Isolation meistern“

Ein Interview mit Thorsten Kud von der Initiative „Wir gegen Corona“, die Hilfsbedürftige in Nachbarschaftshilfe unterstützt

Herr Kud, was ist die Idee von „Wir gegen Corona“? Die von Freiwilligen organisierte Initiative „Wir gegen Corona“ unterstützt Menschen dabei, ihren Alltag auch unter häuslicher Isolation zu meistern: Auf der Plattform werden freiwillige Helfer an Hilfesuchende vermittelt, um beispielsweise Einkäufe zu übernehmen, den Müll wegzubringen oder das Einwerfen eines Briefes zu übernehmen. Auf einer Website und durch eine Telefonhotline können Hilfesuchende und Helfer sich registrieren und darlegen, welche Hilfe sie benötigen oder welche Unterstützung sie bieten können. Durch die Eingabe des aktuellen Wohnorts und mit Hilfe eines Algorithmus werden Hilfesuchende und Helfende dann automatisiert zusammengebracht.

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„Es werden freiwillige Helfer vermittelt, um beispielsweise Einkäufe zu übernehmen, den Müll wegzubringen oder das Einwerfen eines Briefes zu übernehmen.“

Thorsten Kud

We stream together ...

Der Onlinesender ONE MÜNCHEN

Wohl kein Berufsfeld hat sich so schnell, so einfach und so kompromisslos in der Quarantäne arrangiert wie die Künstler in ganz Deutschland. Kaum verkündete die Regierung die weitgehenden Ausgangsbeschränkungen, da schlossen sich im ganzen Land schon Künstler und Kreative zusammen. Das Motto: Die Kultur darf nicht sterben. Kultur ins Netz tragen, Künstlern eine Bühne bieten, das wollen auch Oliver Rothstein und sein Team mit dem Onlinesender „ONE MÜNCHEN“. Ihre Vision: In Quarantänezeiten mit Geschichten von Münchnern für Münchner gute Laune in die Wohnzimmer der Stadt bringen. Rothstein kennt

sich in der Münchner Eventszene bestens aus. Mit seiner Werbeagentur Wundermedia verantwortet er unter anderem die Seite „Geheimtipp München“, auf der täglich neue Geschichten aus der Stadt und über die Stadt erzählt werden. „Wir wollten das, was an kulturellem Leben weggebrochen ist, wieder sichtbar machen“, erklärt er. Insgesamt 35 Leute arbeiten derzeit gemeinsam an dem Projekt – unbezahlt. „Uns geht es darum, die kulturelle Vielfalt der Stadt auch in Zeiten von Corona aufrechtzuerhalten, nicht ums Geldverdienen.“

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„Neben allen wirtschaftlichen Folgen sehe ich insgesamt die guten Seiten an dieser Krise.”

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„Das Taxi ist ein einzigartiger Raum für die freie Meinungsäußerung“

Ein Interview mit dem Taxifahrer Andreas Wettläufer, der Einkäufe für Menschen erledigt, die daheim isoliert sind

Herr Wettläufer, Hansa Taxi 211 211 in Hamburg hat als erste Taxi-Zentrale in Deutschland auf die Krise reagiert. Statt Kunden von A nach B zu fahren, gehen Sie für die einkaufen, die am härtesten vom Shutdown betroffen sind. Das war eine simple Idee, die sehr gut angenommen wird. Ich liebe meinen Job, das ist der beste der Welt. Und für andere da zu sein, ist wichtiger Teil davon. Außerdem sichert es meinen Kollegen und mir ein paar Fahrten, während das öffentliche Leben stillsteht. Restaurants, Bars und Clubs sind geschlossen, es gibt weder Veranstaltungen noch einen regelmäßigen Reiseverkehr. Keine gute Zeit, um Taxi zu fahren, oder? Ganz ehrlich: Es ist katastrophal, wie überall. Von rund 800 Fahrzeugen in der Flotte sind momentan nur etwa 30 Prozent im Einsatz. Als selbstständiger Taxi-Fahrer zahlt man eine enorm hohe Vollkaskoversicherung, die natürlich weiterläuft. Ein harter Einschnitt. Aber ich bleibe optimistisch. Das kann ich von den Kunden lernen, die am meisten gefährdet sind.

„Wir wollen für kranke Kinder auch außerhalb der Praxis da sein“

Ein Interview mit dem Kinderarzt Jan Falkenberg, der sich mit KinderarztNow selbständig gemacht hat, der ersten digitalen Kinderarztpraxis Deutschlands

Herr Dr. Falkenberg, was ist die Idee hinter KinderarztNow? „KinderarztNow“ ist wie eine virtuelle Praxis. Vieles müssen wir gar nicht in der realen Praxis in Augenschein nehmen. Und wir möchten aktuell auch nicht unbedingt alle Eltern, die wegen Corona besorgt sind, physisch in der Praxis haben. Das geht vielen Kollegen so, weil die Angst besteht, dass andere dabei infiziert werden. Wir können aber viele Eltern zuhause beraten und beruhigen. Wir können ihnen einen Fahrplan und die Informationen geben, die sie in aktuell brauchen – einfach auf telemedizinischem Wege.

Ist das wirklich etwas Neues? Wir haben als Kinderärzte in Deutschland die telemedizinische Entwicklung bisher verpasst. Es gibt Länder, die sind uns da weit voraus. Häufig ist es so, dass wir Kinderärzte in den Praxen mit Problemen konfrontiert werden, die wir noch gar nicht kennen. Dann würden wir gern einen Kollegen hinzuziehen, wie dies im Krankenhaus normal wäre – genau das kann man künftig telemedizinisch ermöglichen. Das ist eine komplett neue Welt. Wir müssen aber noch ausprobieren, wo konkret uns die Technik nützt.