Gesellschaft

Die Maxime, jederzeit selbst zu denken, ist die Aufklärung.“

Immanuel Kant (1724-1804)

Der Zweifel ist der Weisheit Anfang.“

René Descartes (1596-1650)

Durch Vernunft, nicht durch Gewalt soll man Menschen zur Wahrheit führen.“

Denis Diderot (1713-1784)

An die Stelle der Religion muss die Überzeugung treten.“

Gotthold E. Lessing (1729-1781)

Jeder Mensch besitzt Fähigkeiten zur vernünftigen Lebensführung.“

Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716)

Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten.“

Jean-Jacques Rousseau (1712-1778)

Der Glaube kann uns niemals von etwas überzeugen, was unserer Erkenntnis zuwiderläuft.“

John Locke (1632-1704)

Was ist Aufklärung?

Licht der Erkenntnis statt Dunkelheit des Mittelalters: Vorrangiges Ziel war es, die Menschen zu Kritikfähigkeit und zu sozialer Verantwortung anzuhalten. Rede- und Pressefreiheit wurden zum grundlegenden Menschenrecht erklärt.

Text: Thomas Volkmann Illustrationen: Sasan Saidi

Das Zitat hat sicherlich fast jede und jeder schon einmal gehört: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“ Immanuel Kant fasste damit im Jahr 1784 einen Prozess zusammen, der knapp einhundert Jahre zuvor begonnen und dann an Intensität zugenommen hatte.

Das Wirken der „Aufklärer“ begann im mittleren 17. Jahrhundert, und es hat – mit einer Hochphase zwischen 1750 und 1800 – das Denken in Europa revolutioniert. Beginnend mit einer Emanzipation der Philosophie von der Theologie entwickelte sich mit der Aufklärung eine „Neuzeit“, die das als Epoche der Dunkelheit und des finsteren Aberglaubens verurteilte Mittelalter überwand. Sie sollte nach den Vorstellungen der „Aufklärer“ der Dunkelheit des Mittelalters das Licht der Erkenntnis entgegensetzen.Die Aufklärung, die Aufhellung des überkommenen Denkens, umfasste viele Bereiche des täglichen Lebens. Beginnend bei einer Neubewertung religiöser Fragen umfasste das neue Denken dann auch die Gesellschaft allgemein, Staatstheorie und politische Praxis, Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst.

Als „Epoche“ ist die Aufklärung allerdings wegen fließender Übergänge schwer abgrenzbar. Einzig in der Politikwissenschaft sieht man eine definierbare Zeitdimension: die Vorbereitung des modernen Verfassungsstaats und der modernen Regierungsorganisation in Europa und Nordamerika von etwa 1650 bis etwa 1800. Damals wurden die Impulse der Aufklärung in politisches Handeln umgesetzt.

Bacon, Descartes, Hobbes, Spinoza, Locke und Leibniz sind einige der Namen von Philosophen der frühen Neuzeit, die mit ihren Gedanken zum Verhältnis der Religionen sowie zwischen Religion und Gesellschaft, vor allem in England und Frankreich und von dort ausstrahlend, den Boden für die später einsetzende Phase der Aufklärung bereiteten. Einig waren sie sich in dem Gedanken, dass Glaube, Vernunft, Freiheit und Bildung in absehbarer Zeit von Unterdrückung, Krieg und Armut erlösen würden.

Die nachfolgende Phase der Aufklärung lässt sich vordergründig als Kampf der Vernunft gegen den Glauben, also als Emanzipation der Philosophie verstehen. Vorrangiges Ziel der aufklärerischen Schriften war es, die Menschen zu Kritikfähigkeit und zu sozialer Verantwortung anzuhalten. Rede- und Pressefreiheit wurden zum grundlegenden Menschenrecht erklärt, Publizität galt als unerlässlich zur Förderung vernunftgeleiteten Denkens. Als rechtmäßig war nurmehr das anzusehen, was sich öffentlich als vertretbar erwies. Hume, Voltaire, Montesquieu, Diderot, Rousseau, Smith, Lessing und – als Krönung – Kant lassen sich als bedeutendste Vertreter dieser Denkrichtung nennen. Die zentrale philosophisch-politische Debatte fand um das künftige Verhältnis zwischen Parlament, von ihm ausgehender Regierung, König, Kirche und Bürger statt. Die Problemlösungen wurden nicht mehr in der Theologie, sondern in der Philosophie und der von ihr inspirierten Rechtsdiskussion entschieden. Das politische Denken löste sich von den herkömmlichen religiösen Mustern, und so entstand eine Reihe nachhaltig einflussreicher Staatstheorien, die über die Aufklärung hinaus die politische Theorie und Praxis beeinflussten und es bis in die Gegenwart hinein immer noch tun.

Das Ziel der Philosophie ist einzig und allein die Wahrheit, das Ziel des Glaubens einzig und allein Gehorsam und Frömmigkeit.“

Baruch de Spinoza (1632-1677)

Man kann die Menschen zur Vernunft bringen, indem man sie dazu verleitet, dass sie selbst denken.“

Voltaire (1694-1778)

Wissen ist Macht.“

Francis Bacon (1561-1626)

Sobald in ein und derselben Person oder derselben Beamtenschaft die legislative Befugnis mit der exekutiven verbunden ist, gibt es keine Freiheit.“

Charles Baron de Montesquieu (1689-1755)

Die Wissenschaft ist das Gegengift der Verführung und des Aberglaubens.“

Adam Smith (1723-1790)

Bleibe nüchtern und vergiss nicht, skeptisch zu sein!“

David Hume (1711-1776)

Wenn ich von der Aufklärung spreche, denke ich vor allem an die Idee der Selbstbefreiung durch das Wissen – jene Idee, die Kant und Pestalozzi inspirierte; und ich denke an die Pflicht jedes Intellektuellen, anderen dazu zu helfen, sich geistig zu befreien und die kritische Einstellung zu verstehen; eine Pflicht, die die meisten Intellektuellen seit Fichte, Schelling und Hegel vergessen haben.“

Karl R. Popper (1902-1994)

Gesellschaft

[D]ie Maxime, jederzeit selbst zu denken, ist die Aufklärung.“

Immanuel Kant (1724-1804)

Was ist Aufklärung?

Licht der Erkenntnis statt Dunkelheit des Mittelalters: Vorrangiges Ziel war es, die Menschen zu Kritikfähigkeit und zu sozialer Verantwortung anzuhalten. Rede- und Pressefreiheit wurden zum grundlegenden Menschenrecht erklärt.

Text: Thomas Volkmann Illustrationen: Sasan Saidi

Das Zitat hat sicherlich fast jede und jeder schon einmal gehört: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“ Immanuel Kant fasste damit im Jahr 1784 einen Prozess zusammen, der knapp einhundert Jahre zuvor begonnen und dann an Intensität zugenommen hatte.

Der Zweifel ist der Weisheit Anfang.“

René Descartes (1596-1650)

Durch Vernunft, nicht durch Gewalt soll man Menschen zur Wahrheit führen.“

Denis Diderot (1713-1784)

Das Wirken der „Aufklärer“ begann im mittleren 17. Jahrhundert, und es hat – mit einer Hochphase zwischen 1750 und 1800 – das Denken in Europa revolutioniert. Beginnend mit einer Emanzipation der Philosophie von der Theologie entwickelte sich mit der Aufklärung eine „Neuzeit“, die das als eine Epoche der Dunkelheit und des finsteren Aberglaubens verurteilte Mittelalter überwand. Sie sollte nach den Vorstellungen der „Aufklärer“ der Dunkelheit des Mittelalters das Licht der Erkenntnis entgegensetzen.Die Aufklärung, die Aufhellung des überkommenen Denkens, umfasste viele Bereiche des täglichen Lebens. Beginnend bei einer Neubewertung religiöser Fragen umfasste das neue Denken dann auch die Gesellschaft allgemein, Staatstheorie und politische Praxis, Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst.

Das Ziel der Philosophie ist einzig und allein die Wahrheit, das Ziel des Glaubens einzig und allein Gehorsam und Frömmigkeit.“

Baruch de Spinoza (1632-1677)

Jeder Mensch besitzt Fähigkeiten zur vernünftigen Lebensführung.“

Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716)

Als „Epoche“ ist die Aufklärung allerdings wegen fließender Übergänge schwer abgrenzbar. Einzig in der Politikwissenschaft sieht man eine definierbare Zeitdimension: die Vorbereitung des modernen Verfassungsstaats und der modernen Regierungsorganisation in Europa und Nordamerika von etwa 1650 bis etwa 1800. Damals wurden die Impulse der Aufklärung in politisches Handeln umgesetzt.

Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten.“

Jean-Jacques Rousseau (1712-1778)

Der Glaube kann uns niemals von etwas überzeugen, was unserer Erkenntnis zuwiderläuft.“

John Locke (1632-1704)

Bacon, Descartes, Hobbes, Spinoza, Locke und Leibniz sind einige der Namen von Philosophen der frühen Neuzeit, die mit ihren Gedanken zum Verhältnis der Religionen sowie zwischen Religion und Gesellschaft, vor allem in England und Frankreich und von dort ausstrahlend, den Boden für die später einsetzende Phase der Aufklärung bereiteten. Einig waren sie sich in dem Gedanken, dass Glaube, Vernunft, Freiheit und Bildung in absehbarer Zeit von Unterdrückung, Krieg und Armut erlösen würden.

Man kann die Menschen zur Vernunft bringen, indem man sie dazu verleitet, dass sie selbst denken.“

Voltaire (1694-1778)

An die Stelle der Religion muss die Überzeugung treten.“

Gotthold E. Lessing (1729-1781)

Die nachfolgende Phase der Aufklärung lässt sich vordergründig als Kampf der Vernunft gegen den Glauben, also als Emanzipation der Philosophie verstehen. Vorrangiges Ziel der aufklärerischen Schriften war es, die Menschen zur Kritikfähigkeit und zu sozialer Verantwortung anzuhalten. Rede- und Pressefreiheit wurden zum grundlegenden Menschenrecht erklärt, Publizität galt als unerlässlich zur Förderung vernunftgeleiteten Denkens. Als rechtmäßig war nur mehr das anzusehen, was sich auch öffentlich als vertretbar erwies. Hume, Voltaire, Montesquieu, Diderot, Rousseau, Smith, Lessing und – als Krönung – Kant lassen sich als bedeutendste Vertreter dieser Denkrichtung nennen.

Wissen ist Macht.“

Francis Bacon (1561-1626)

Sobald in ein und derselben Person oder derselben Beamtenschaft die legislative Befugnis mit der exekutiven verbunden ist, gibt es keine Freiheit.“

Charles Baron de Montesquieu (1689-1755)

Die zentrale philosophisch-politische Debatte fand um das künftige Verhältnis zwischen Parlament, von ihm ausgehender Regierung, König, Kirche und Bürger statt. Die Problemlösungen wurden nicht mehr in der Theologie, sondern in der Philosophie und der von ihr inspirierten Rechtsdiskussion entschieden. Das politische Denken löste sich von den herkömmlichen religiösen Mustern, und so entstand eine Reihe nachhaltig einflussreicher Staatstheorien, die über die Aufklärung hinaus die politische Theorie und Praxis beeinflussten und es bis in die Gegenwart hinein immer noch tun.

Die Wissenschaft ist das Gegengift der Verführung und des Aberglaubens.“

Adam Smith (1723-1790)

Bleibe nüchtern und vergiss nicht, skeptisch zu sein!“

David Hume (1711-1776)

Wenn ich von der Aufklärung spreche, denke ich vor allem an die Idee der Selbstbefreiung durch das Wissen – jene Idee, die Kant und Pestalozzi inspirierte; und ich denke an die Pflicht jedes Intellektuellen, anderen dazu zu helfen, sich geistig zu befreien und die kritische Einstellung zu verstehen; eine Pflicht, die die meisten Intellektuellen seit Fichte, Schelling und Hegel vergessen haben.“

Karl R. Popper (1902-1994)