Thema

Auf der Überholspur

In schwierigen Zeiten machen viele Frauen Mut, weil sie selbstbewusst für sich und ihre Karriere kämpfen – und ihre männlichen Mitstreiter auf die Plätze verweisen. Vier Beispiele aus Sport, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

Auf der Überholspur

In schwierigen Zeiten machen viele Frauen Mut, weil sie selbstbewusst für sich und ihre Karriere kämpfen – und ihre männlichen Mitstreiter auf die Plätze verweisen. Vier Beispiele aus Sport, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

Text: Claudia Bröll

Von einer Frau überholt werden? Diese Sorge brauchte sich in der Formel 1 bisher kein Rennfahrer zu machen. Der Motorsport ist zwar eine der wenigen Disziplinen, in denen Männer und Frauen gegeneinander antreten können. Doch bisher haben sich in der mehr als 70 Jahre langen Geschichte der Formel  1 nur zwei Frauen qualifiziert. Unvergessen ist der Spruch eines Grand-Prix-Renndirektors, der einzige Helm, den eine Frau tragen solle, sei der beim Friseur. Das war in den Fünfzigerjahren. Mehr als ein halbes Jahrhundert später äußert sich Bernie Ecclestone ähnlich: Frauen könnten physisch nicht mithalten, sagte der frühere Formel-1-Chef, und ernst nehme man sie sowieso nicht.

Foto: Birgar Olsen

S

SOPHIA FLÖRSCH WILL ES ECCLESTONE UND ANDEREN SKEPTIKERN JETZT ZEIGEN.

Die 19 Jahre alte Münchnerin ist schon etlichen Konkurrenten in der Formel 3 und Formel 4 davongefahren, errang als erste Rennfahrerin Podiumsplätze. „Just a normal girl racing against the clock and boys“, lautet ihr Motto auf Instagram. Ihr Ziel ist klar: „Ich will es in die Formel 1 schaffen und die erste Weltmeisterin werden.“ Es geht ihr nicht nur um den eigenen Erfolg. Mädchen bräuchten weibliche Vorbilder, sagt die Rennfahrerin. Nur dann wagten sie sich ebenfalls in die letzten Bastionen der Männer.

Flörsch drehte schon mit vier Jahren erste Runden auf einer Kart-Bahn. Schon früh stellte sie fest, dass es Jungs in diesem Sport leichter haben. Unzählige Male hörte sie: „Die teure Investition lohnt sich bei einem Mädchen nicht.“ Bis heute muss sie härter um Sponsoren ringen als ihre männlichen Mitstreiter. Davon hat sie sich nie bremsen lassen, so wenig wie von einem Unfall 2018. Damals geriet sie mit fast 280 Stundenkilometern ins Schlingern, hob ab und stürzte in einen Fotografen-Stand. Wie durch ein Wunder überlebte sie – und saß wenige Monate nach einer Operation wieder im Cockpit. Nicht nur die Liebe zum Sport habe sie dazu gebracht: „Sonst hätte es wieder geheißen, die Frau gibt natürlich auf.“

Frauen und Karriere – dieses Thema hat nichts an Bedeutung eingebüßt. Die Gründe sind bekannt: Frauen machen häufiger zugunsten der Familie Kompromisse. Zudem stellen Psychologen oft ein geringeres Selbstvertrauen fest, wenn es um die Übernahme von Führungspositionen geht. Und schließlich spielt der viel zitierte „Bias“, die unbewusste Bevorzugung von Männern im Alltagsleben, eine Rolle.

„Sonst hätte es wieder geheißen, die Frau gibt natürlich auf.“

Sophia Flörsch

Foto: Birgar Olsen

„Sonst hätte es wieder geheißen, die Frau gibt natürlich auf.“

Sophia Flörsch

SOPHIA FLÖRSCH WILL ES ECCLESTONE UND ANDEREN SKEPTIKERN JETZT ZEIGEN.

Die 19 Jahre alte Münchnerin ist schon etlichen Konkurrenten in der Formel 3 und Formel 4 davongefahren, errang als erste Rennfahrerin Podiumsplätze. „Just a normal girl racing against the clock and boys“, lautet ihr Motto auf Instagram. Ihr Ziel ist klar: „Ich will es in die Formel 1 schaffen und die erste Weltmeisterin werden.“ Es geht ihr nicht nur um den eigenen Erfolg. Mädchen bräuchten weibliche Vorbilder, sagt die Rennfahrerin. Nur dann wagten sie sich ebenfalls in die letzten Bastionen der Männer.

Flörsch drehte schon mit vier Jahren erste Runden auf einer Kart-Bahn. Schon früh stellte sie fest, dass es Jungs in diesem Sport leichter haben. Unzählige Male hörte sie: „Die teure Investition lohnt sich bei einem Mädchen nicht.“ Bis heute muss sie härter um Sponsoren ringen als ihre männlichen Mitstreiter. Davon hat sie sich nie bremsen lassen, so wenig wie von einem Unfall 2018. Damals geriet sie mit fast 280 Stundenkilometern ins Schlingern, hob ab und stürzte in einen Fotografen-Stand. Wie durch ein Wunder überlebte sie – und saß wenige Monate nach einer Operation wieder im Cockpit. Nicht nur die Liebe zum Sport habe sie dazu gebracht: „Sonst hätte es wieder geheißen, die Frau gibt natürlich auf.“

Frauen und Karriere – dieses Thema hat nichts an Bedeutung eingebüßt. Die Gründe sind bekannt: Frauen machen häufiger zugunsten der Familie Kompromisse. Zudem stellen Psychologen oft ein geringeres Selbstvertrauen fest, wenn es um die Übernahme von Führungspositionen geht. Und schließlich spielt der viel zitierte „Bias“, die unbewusste Bevorzugung von Männern im Alltagsleben, eine Rolle.

„Ob absichtlich oder nicht, Frauen müssen immer noch sehr reale Hindernisse überwinden.“

Carmen Reinhart

C

CARMEN REINHART STELLT DIESEN „BIAS“ AUSGERECHNET IN EINER BERUFSGRUPPE

fest, die sich sonst für freien Wettbewerb und Chancengleichheit einsetzt: in der Ökonomen-Zunft. Die 64 Jahre alte Harvard-Professorin hat eine steile Karriere hingelegt. Sie ist nicht nur eine der bekanntesten Wirtschaftswissenschaftlerinnen der Welt. In diesem Jahr wurde sie zur Chefökonomin und Vizepräsidentin der Weltbank ernannt. Zu ihren Vorgängern gehören mehrere Nobelpreisträger. Auf Reinhart wartet eine besondere Herausforderung, denn selten zuvor ist die Institution so gefordert gewesen wie in der aktuellen Weltwirtschaftskrise.

In die Wiege wurde ihr der Erfolg nicht gelegt: Reinhart stammt aus einer Einwandererfamilie aus Kuba. Das Interesse an der Ökonomie weckte ein Kurs über Mode-Merchandising in Miami. Es folgten ein Studium und die Promotion bei dem späteren Nobelpreisträger Robert Mundell. Noch vor ihrem 30. Geburtstag wurde Reinhart Chefökonomin der Investmentbank Bear Stearns, danach arbeitete sie zweimal für den Internationalen Währungsfonds und machte sich als Expertin für Staatsverschuldung und Wirtschaftskrisen einen Namen.

Insbesondere in den Wirtschaftswissenschaften sind solche Karrieren selten. Unter den 100 am meisten zitierten Ökonomen befinden sich aktuell nur drei Frauen. Reinhart, auf Position 13, ist die Nummer eins unter den Frauen, die zweite – die Türkin Asli Demirgüç-Kunt – folgt erst auf Rang 51 der Gesamtliste. „Ob absichtlich oder nicht, Frauen müssen immer noch sehr reale Hindernisse überwinden“, sagt sie. Das sei nicht nur für die Frauen von Nachteil. Denn wie jeder Ökonom weiß, gewinne man nur unter fairen Wettbewerbsbedingungen die besten Leute.

Foto: IfW Kiel/Michael Stefan

Foto: IfW Kiel/Michael Stefan

„Ob absichtlich oder nicht, Frauen müssen immer noch sehr reale Hindernisse überwinden.“

Carmen Reinhart

CARMEN REINHART STELLT DIESEN „BIAS“ AUSGERECHNET IN EINER BERUFSGRUPPE

fest, die sich sonst für freien Wettbewerb und Chancengleichheit einsetzt: in der Ökonomen-Zunft. Die 64 Jahre alte Harvard-Professorin hat eine steile Karriere hingelegt. Sie ist nicht nur eine der bekanntesten Wirtschaftswissenschaftlerinnen der Welt. In diesem Jahr wurde sie zur Chefökonomin und Vizepräsidentin der Weltbank ernannt. Zu ihren Vorgängern gehören mehrere Nobelpreisträger. Auf Reinhart wartet eine besondere Herausforderung, denn selten zuvor ist die Institution so gefordert gewesen wie in der aktuellen Weltwirtschaftskrise.

In die Wiege wurde ihr der Erfolg nicht gelegt: Reinhart stammt aus einer Einwandererfamilie aus Kuba. Das Interesse an der Ökonomie weckte ein Kurs über Mode-Merchandising in Miami. Es folgten ein Studium und die Promotion bei dem späteren Nobelpreisträger Robert Mundell. Noch vor ihrem 30. Geburtstag wurde Reinhart Chefökonomin der Investmentbank Bear Stearns, danach arbeitete sie zweimal für den Internationalen Währungsfonds und machte sich als Expertin für Staatsverschuldung und Wirtschaftskrisen einen Namen.

Insbesondere in den Wirtschaftswissenschaften sind solche Karrieren selten. Unter den 100 am meisten zitierten Ökonomen befinden sich aktuell nur drei Frauen. Reinhart, auf Position 13, ist die Nummer eins unter den Frauen, die zweite – die Türkin Asli Demirgüç-Kunt – folgt erst auf Rang 51 der Gesamtliste. „Ob absichtlich oder nicht, Frauen müssen immer noch sehr reale Hindernisse überwinden“, sagt sie. Das sei nicht nur für die Frauen von Nachteil. Denn wie jeder Ökonom weiß, gewinne man nur unter fairen Wettbewerbsbedingungen die besten Leute.

Foto: Thomas Eisenkrätzer

K

KATJA MATTHES NENNT ES DEN „KLASSIKER“: ALS FRAU WIRD MAN EINFACH NICHT GEHÖRT.

Sie habe es selbst erfahren. „Ich sage etwas, ein Mann sagt drei Minuten später das Gleiche, aber nur er wird gehört.“ Das zu ertragen, sei ihr nicht leichtgefallen, sagt die Wissenschaftlerin. Mittlerweile aber habe sie gelernt, damit umzugehen.

Die Sorge, zu wenig Gehör zu finden, braucht Matthes mittlerweile nicht mehr zu haben. In diesem Jahr wurde die 44 Jahre alte Klimaforscherin zur wissenschaftlichen Direktorin des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel ernannt, einem der führenden Forschungsinstitute in Europa. Sie ist die erste Frau auf diesem Posten. Seitdem gibt sie viele Interviews, warnt vor den Folgen einer Erderwärmung, treibt die Forschung über innovative Lösungen wie Karbonspeicherung im Boden voran.

Matthes hat eine lineare Laufbahn hinter sich: Meteorologie-Studium und Promotion an der Freien Universität Berlin, dann ein stipendienfinanzierter Aufenthalt am National Center for Atmospheric Research in den Vereinigten Staaten. Nach der Rückkehr folgten lehrende und leitende Tätigkeiten an der FU Berlin und am Helmholtz-Zentrum Potsdam. 2012 nahm sie den Ruf auf eine Professur für „Physik der Atmosphäre“ in Kiel an und kam ans GEOMAR.

Abgesehen vom Klima, ihrer Arbeit und der Familie beschäftigt sie das Thema Geschlechtergerechtigkeit seit Langem. 2013 gründete sie an dem Kieler Institut ein Women’s Executive Board (WEB), einen Zusammenschluss weiblicher Führungskräfte aus Wissenschaft und Administration. Das Ziel ist, qualifizierte und motivierte Frauen zu fördern und zu ermutigen, in der Wissenschaft zu bleiben. Das sei nötig, sagt sie, denn nur ein Fünftel der Professuren und Führungspositionen in der Wissenschaft sei weiblich besetzt.

Für sie als Leiterin des Instituts wird die Chancengleichheit der Geschlechter sicherlich weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Der Rummel um die erste Direktorin mag dafür hilfreich sein und andere motivieren. Eigentlich aber gefalle er ihr nicht, sagt sie. „Es ist schade, dass dies im Jahr 2020 immer noch ein besonderes Ereignis ist.“

„Ich sage etwas, ein Mann sagt drei Minuten später das Gleiche, aber nur er wird gehört.“

Katja Matthes

Foto: Thomas Eisenkrätzer

„Ich sage etwas, ein Mann sagt drei Minuten später das Gleiche, aber nur er wird gehört.“

Katja Matthes

KATJA MATTHES NENNT ES DEN „KLASSIKER“: ALS FRAU WIRD MAN EINFACH NICHT GEHÖRT.

Sie habe es selbst erfahren. „Ich sage etwas, ein Mann sagt drei Minuten später das Gleiche, aber nur er wird gehört.“ Das zu ertragen, sei ihr nicht leichtgefallen, sagt die Wissenschaftlerin. Mittlerweile aber habe sie gelernt, damit umzugehen.

Die Sorge, zu wenig Gehör zu finden, braucht Matthes mittlerweile nicht mehr zu haben. In diesem Jahr wurde die 44 Jahre alte Klimaforscherin zur wissenschaftlichen Direktorin des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel ernannt, einem der führenden Forschungsinstitute in Europa. Sie ist die erste Frau auf diesem Posten. Seitdem gibt sie viele Interviews, warnt vor den Folgen einer Erderwärmung, treibt die Forschung über innovative Lösungen wie Karbonspeicherung im Boden voran.

Matthes hat eine lineare Laufbahn hinter sich: Meteorologie-Studium und Promotion an der Freien Universität Berlin, dann ein stipendienfinanzierter Aufenthalt am National Center for Atmospheric Research in den Vereinigten Staaten. Nach der Rückkehr folgten lehrende und leitende Tätigkeiten an der FU Berlin und am Helmholtz-Zentrum Potsdam. 2012 nahm sie den Ruf auf eine Professur für „Physik der Atmosphäre“ in Kiel an und kam ans GEOMAR.

Abgesehen vom Klima, ihrer Arbeit und der Familie beschäftigt sie das Thema Geschlechtergerechtigkeit seit Langem. 2013 gründete sie an dem Kieler Institut ein Women’s Executive Board (WEB), einen Zusammenschluss weiblicher Führungskräfte aus Wissenschaft und Administration. Das Ziel ist, qualifizierte und motivierte Frauen zu fördern und zu ermutigen, in der Wissenschaft zu bleiben. Das sei nötig, sagt sie, denn nur ein Fünftel der Professuren und Führungspositionen in der Wissenschaft sei weiblich besetzt.

Für sie als Leiterin des Instituts wird die Chancengleichheit der Geschlechter sicherlich weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Der Rummel um die erste Direktorin mag dafür hilfreich sein und andere motivieren. Eigentlich aber gefalle er ihr nicht, sagt sie. „Es ist schade, dass dies im Jahr 2020 immer noch ein besonderes Ereignis ist.“

„Humorvoll, gelassen, hartnäckig. Geradezu provozierend uneitel auftretend.“

Wegbegleiter über Emily Haber

E

EMILY HABER KENNT DIE ERFAHRUNG ALS ERSTE FRAU AUF EINEM POSTEN.

Sie war die erste Politische Direktorin im Auswärtigen Amt, dann die erste Staatssekretärin in demselben Ministerium. Seit Kurzem hat die 62 Jahre Bonnerin den Olymp einer Diplomatenkarriere erklommen. Als erste deutsche Botschafterin geht sie nach Washington, um deutsche Interessen gegenüber Donald Trump und seiner Regierung zu vertreten.

Dass sie der Herausforderung gewachsen ist, bezweifelt kaum jemand. Die promovierte Historikerin hat weitreichende Erfahrungen in den Botschaften in Ankara und Moskau sowie auf verschiedenen Positionen im Auswärtigen Amt gesammelt. Als Politische Direktorin, ernannt von Guido Westerwelle, war sie einst für schwierige Verhandlungen beispielsweise über das iranische Atomabkommen zuständig. Auch nach dem Wechsel ins Innenministerium bewies sie diplomatisches Geschick und Rückgrat. Als Staatssekretärin kümmerte sie sich um die heiß diskutierten Themen Innere Sicherheit und Migrationspolitik. Hinter den Kulissen wurde sie zu einer Art Managerin der Flüchtlingskrise. Sie leitete Besprechungen nach den Anschlägen in Paris und Berlin, verhandelte mit der Türkei über ein Flüchtlingsabkommen und musste sich dabei immer wieder gegen den Vorwurf des Staatsversagens wehren.

Für die neue Rolle in Washington ist Haber also gestählt. Wegbegleiter beschreiben sie als humorvoll, ruhig, gelassen, analytisch argumentierend, aber auch hartnäckig. Außerdem trete sie geradezu provozierend uneitel auf. Diese Eigenschaften dürften helfen, als erste deutsche Botschafterin auch gegenüber der Trump’schen Männerriege einen kühlen Kopf zu bewahren.

Foto: Johnny Shryock

Foto: Johnny Shryock

„Humorvoll, gelassen, hartnäckig. Geradezu provozierend uneitel auftretend.“

Wegbegleiter über Emily Haber

EMILY HABER KENNT DIE ERFAHRUNG ALS ERSTE FRAU AUF EINEM POSTEN.

Sie war die erste Politische Direktorin im Auswärtigen Amt, dann die erste Staatssekretärin in demselben Ministerium. Seit Kurzem hat die 62 Jahre alte Bonnerin den Olymp einer Diplomatenkarriere erklommen. Als erste deutsche Botschafterin geht sie nach Washington, um deutsche Interessen gegenüber Donald Trump und seiner Regierung zu vertreten.

Dass sie der Herausforderung gewachsen ist, bezweifelt kaum jemand. Die promovierte Historikerin hat weitreichende Erfahrungen in den Botschaften in Ankara und Moskau sowie auf verschiedenen Positionen im Auswärtigen Amt gesammelt. Als Politische Direktorin, ernannt von Guido Westerwelle, war sie einst für schwierige Verhandlungen beispielsweise über das iranische Atomabkommen zuständig. Auch nach dem Wechsel ins Innenministerium bewies sie diplomatisches Geschick und Rückgrat. Als Staatssekretärin kümmerte sie sich um die heiß diskutierten Themen Innere Sicherheit und Migrationspolitik. Hinter den Kulissen wurde sie zu einer Art Managerin der Flüchtlingskrise. Sie leitete Besprechungen nach den Anschlägen in Paris und Berlin, verhandelte mit der Türkei über ein Flüchtlingsabkommen und musste sich dabei immer wieder gegen den Vorwurf des Staatsversagens wehren.

Für die neue Rolle in Washington ist Haber also gestählt. Wegbegleiter beschreiben sie als humorvoll, ruhig, gelassen, analytisch argumentierend, aber auch hartnäckig. Außerdem trete sie geradezu provozierend uneitel auf. Diese Eigenschaften dürften helfen, als erste deutsche Botschafterin auch gegenüber der Trump’schen Männerriege einen kühlen Kopf zu bewahren.

Claudia Bröll war viele ­Jahre Wirtschaftsredakteurin der „FAZ“. Heute schreibt sie als freie Autorin aus Südafrika.

Foto: Anthea Kirkman

Claudia Bröll war viele ­Jahre Wirtschaftsredakteurin der „FAZ“. Heute schreibt sie als freie Autorin aus Südafrika.

Foto: Anthea Kirkman