Gesellschaft

Schulkinder, Eltern und Lehrer sind von den Schulschließungen in der Corona-Krise schwer getroffen worden. Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit hat Anregungen entwickelt, wie sich das Bildungssystem auf Vordermann bringen lässt. Der Schlüssel dafür ist eine Mischung aus Präsenzunterricht und digitalem Lernen.

Schulkinder, Eltern und Lehrer sind von den Schulschließungen in der Corona-Krise schwer getroffen worden. Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit hat Anregungen entwickelt, wie sich das Bildungssystem auf Vordermann bringen lässt. Der Schlüssel dafür ist eine Mischung aus Präsenzunterricht und digitalem Lernen.

Text: Annette Witte Illustration: Kelvin Degree/Shutterstock

Wie im Brennglas hat die Corona-Krise gezeigt, wie ungenügend das Bildungssystem aufgestellt ist. Viel zu viel Unterricht fiel aus; viel zu viele Kinder hatten mangels technischer Ausstattung keine Möglichkeit, dem Online-Unterricht zu folgen; viel zu viele Lehrer hatten kein Konzept für die digitale Lehre parat; viel zu viele Schulleitungen scheiterten mit ihren innovativen Ideen an Regulierung und Bürokratie. Dieses Staatsversagen hat die Verantwortung bei den Eltern als Hilfslehrern abgeladen. Eltern mit Kapazitäten und Möglichkeiten haben einen eigenen digitalen Unterricht für ihre Kinder organisiert: Mit Lernspielen, YouTube-Videos und Lernapps. Kinder, deren Eltern das nicht können, haben mal wieder Pech gehabt.

Die seit Jahrzehnten beklagte Bildungsungerechtigkeit in Deutschland wird sich massiv verstärken, wenn das Bildungssystem jetzt nicht im 21. Jahrhundert ankommt. Echter digitaler Unterricht, der sich nicht im wilden Verteilen von PDF-Arbeitsblättern per E-Mail erschöpft, gehört unbedingt dazu. Dahrendorfs „Bildung ist Bürgerrecht“ gilt auch in Pandemiesituationen. Im Zentrum liberaler Bildungspolitik steht das Aufstiegsversprechen. Im Zeitalter von Digitalisierung, Globalisierung und „New Work“ erfordert dies Flexibilität, Kreativität und die Bereitschaft, sich selbstständig und offen immer wieder auf Neues einzustellen: „Resilienz“. Weil alle Kinder diese Fähigkeiten brauchen, darf es keine Bildungsungerechtigkeit geben. Es ist entscheidend, jetzt die Weichen so zu stellen, dass das Bildungssystem freier, gerechter leistungsfähiger, schockresistenter, flexibler und durchlässiger wird.

Der „Trendguide Bildung“, in dem das Zukunftsinstitut namhafte Experten zu Wort kommen lässt, zeigt, wie es geht. Einer der wichtigsten Punkte: Der digitale Unterricht an den Schulen muss in Zukunft verpflichtend sein. Und zwar immer, nicht nur in Pandemiezeiten. Die Schule der Zukunft ist ein Hybrid aus Präsenz- und Digitalunterricht. Klassenraum und Cloud werden sich auch nach der Corona-Krise ergänzen müssen, um allen Schulkindern ein ausgewogenes individuelles Lernprogramm zu bieten. Doch dafür braucht es nicht nur die geeignete technische Ausstattung, sondern auch völlig neue Konzepte und Fortbildungen für Lehrkräfte.

„Klassenraum und Cloud werden sich auch nach der Corona-Krise ergänzen müssen.“

Um passgenaue Angebote für die Situation vor Ort zu schaffen, brauchen die einzelnen Schulen mehr Autonomie. Das gilt für Mittelverwendung und Budget genauso wie für Personal und pädagogische Konzepte.

Die Instrumente für die digitale Lehre sollte nicht der Staat entwickeln. Es gibt einen riesigen Markt, auf dem private Anbieter mit den entsprechenden staatlichen Vorgaben eine deutsche Edu-Tech-Revolution anzetteln können. Geld dafür ist da, es muss nur unbürokratisch bei den Schulen ankommen. Der Digitalpakt muss deshalb so umgebaut werden, dass er Möglichkeitsräume an Schulen schafft. Statt Medienentwicklungspläne zu schreiben, sollen die Schulen und Lehrer einfach mal machen dürfen, aber auch müssen. Die notwendigen Rahmenbedingungen in Datenschutzfragen und ähnlichem sollen die Schulministerien verlässlich klären. Wir können uns ein zweites „School’s out for Corona“ nicht leisten.

Die stellvertretende Geschäftsführerin Annett Witte leitet das Liberale Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.