In Kürze

KOMPASS

Globale Infodemie

Bill Gates habe die WHO gekauft, und das Corona-Virus sei eine chinesische Biowaffe.

Die „Infodemie“ bringt jede Menge Falschmeldungen hervor – mit großen Folgen. Das zeigt eine repräsentative Studie der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Erstmals wurden Aussagen zu Corona-Fake-News international untersucht. Das Meinungsforschungsinstitut Kantar befragte dafür im Auftrag der Stiftung 7300 Menschen in den sieben markierten Ländern. 54 Prozent empfinden es als schwierig, zwischen Nachrichten und bewussten Falschmeldungen zu unterscheiden. Drei Viertel sagen, bewusste Falschmeldungen zur Corona-Pandemie untergrüben die Kompetenz von Politikern und Ärzten.

Die Verschwörungstheorien fallen offenbar auf fruchtbaren Boden. So sagt ein Viertel der Deutschen, das Corona-Virus sei in einem chinesischen Labor gezüchtet worden. Als Bösewicht haben die Lügengeschichten in den untersuchten Ländern auch Microsoft-Gründer Bill Gates ausgemacht: 31 Prozent in aller Welt glauben, er wolle den Menschen zur Bekämpfung des Virus Mikrochips einpflanzen. In Deutschland glauben das 16 Prozent.

KOMPASS

Globale Infodemie

Bill Gates habe die WHO gekauft, und das Corona-Virus sei eine chinesische Biowaffe.

Die „Infodemie“ bringt jede Menge Falschmeldungen hervor – mit großen Folgen. Das zeigt eine repräsentative Studie der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Erstmals wurden Aussagen zu Corona-Fake-News international untersucht. Das Meinungsforschungsinstitut Kantar befragte dafür im Auftrag der Stiftung 7300 Menschen in den sieben markierten Ländern. 54 Prozent empfinden es als schwierig, zwischen Nachrichten und bewussten Falschmeldungen zu unterscheiden. Drei Viertel sagen, bewusste Falschmeldungen zur Corona-Pandemie untergrüben die Kompetenz von Politikern und Ärzten.

Die Verschwörungstheorien fallen offenbar auf fruchtbaren Boden. So sagt ein Viertel der Deutschen, das Corona-Virus sei in einem chinesischen Labor gezüchtet worden. Als Bösewicht haben die Lügengeschichten in den untersuchten Ländern auch Microsoft-Gründer Bill Gates ausgemacht: 31 Prozent in aller Welt glauben, er wolle den Menschen zur Bekämpfung des Virus Mikrochips einpflanzen. In Deutschland glauben das 16 Prozent.

buzzword

„Frau übersieht Fahrspurende und fährt in Baustelle“. Die Schlagzeile der Berliner Boulevard-Zeitung „B.Z.“ entwickelte sich auf Twitter schnell zum Spott über den AfD-Abgeordneten Gunnar Lindemann. Dieser hatte sich über das vermeintliche Gendern des Wortes „Fahrspur“ echauffiert. Das sei #Gendergaga. Wir fragen: Müsste es nicht Fahrspur/innen heißen?

Komme gerade vom Waldspaziergang mit Attila H. zurück. Er trug ein „Antisemitismus statt Fleischwurst“-Shirt und hatte viele Anekdötchen & Morddrohungen parat, der kleine rebellische Racker. Paar Spiegel-Autoren waren auch dabei, fanden ihn putzig, aber auch ein bisschen Hitler.

Die Bloggerin Marie von den Benken kritisiert den „Waldspaziergang“ des SPIEGEL mit dem Kochbuch-Autor und Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann.

Foto: Sophia Noelle/Gallery Stock

KONZENTRAT

Arm an geistigem Kapital

ist der Roman „Die Ambassadorin“ von Sebastian Janata sicher nicht – wohl aber der Handlungsort seines Debüts in der österreichischen Provinz. Ein Heimat­roman der anderen Art, mit Sprachgewalt, einem Rauhaardackel und gelegentlichen Absurditäten. Rowohlt, 22 Euro.

Foto: Corinna Radakovits

DURCHBLICK

Gegen den Rückzug

In Polen tobt eine Debatte über die „Istanbul-Konvention“. Darum geht es: „Das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt“, besser bekannt als „Istanbul-Konvention“, ist ein 2011 verabschiedeter völkerrechtlicher Vertrag. Er gilt als fortschrittlichstes internationales Instrument zur Verhütung geschlechtsspezifischer Gewalt. Vertreter der polnischen Regierungspartei PiS interpretieren den Vertrag hingegen als unnötigen „Gender-Kauderwelsch“ und fordern den Austritt – sehr zum Missfallen vieler Polinnen und Polen: In zahlreichen Städten versammelten sich Tausende Frauen und Männer, um gegen den Rückzug zu protestieren.

Foto: Aleksander Kalka/NurPhoto

Komme gerade vom Waldspaziergang mit Attila H. zurück. Er trug ein „Antisemitismus statt Fleischwurst“-Shirt und hatte viele Anekdötchen & Morddrohungen parat, der kleine rebellische Racker. Paar Spiegel-Autoren waren auch dabei, fanden ihn putzig, aber auch ein bisschen Hitler.

Die Bloggerin Marie von den Benken kritisiert den „Waldspaziergang“ des SPIEGEL mit dem Kochbuch-Autor und Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann.

Foto: Sophia Noelle/Gallery Stock

KONZENTRAT

Arm an geistigem Kapital

ist der Roman „Die Ambassadorin“ von Sebastian Janata sicher nicht – wohl aber der Handlungsort seines Debüts in der österreichischen Provinz. Ein Heimat­roman der anderen Art, mit Sprachgewalt, einem Rauhaardackel und gelegentlichen Absurditäten. Rowohlt, 22 Euro.

Foto: Corinna Radakovits

DURCHBLICK

Gegen den Rückzug

In Polen tobt eine Debatte über die „Istanbul-Konvention“. Darum geht es: „Das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt“, besser bekannt als „Istanbul-Konvention“, ist ein 2011 verabschiedeter völkerrechtlicher Vertrag. Er gilt als fortschrittlichstes internationales Instrument zur Verhütung geschlechtsspezifischer Gewalt. Vertreter der polnischen Regierungspartei PiS interpretieren den Vertrag hingegen als unnötigen „Gender-Kauderwelsch“ und fordern den Austritt – sehr zum Missfallen vieler Polinnen und Polen: In zahlreichen Städten versammelten sich Tausende Frauen und Männer, um gegen den Rückzug zu protestieren.

Foto: Aleksander Kalka/NurPhoto

STAFFELEI

Grenzenloses Malen

Die raumübergreifenden Werke der Bochumer Künstlerin Katharina Grosse beeindrucken mit multidimensionalen Installationen und einer pulsierenden Farbwelt. Zu sehen sind sie derzeit in der historischen Halle des Hamburger Bahnhofs in Berlin. Ob Außenwand, Holzstuhl, Schuttberg oder Stahlcontainer – alles kann Teil des Kunstwerks werden. Die Künstlerin fordert unsere Wahrnehmung heraus: Ist das wirklich noch ein realer Raum? Fazit: „Katharina Grosse. It Wasn’t Us“ ist zweifellos ein Höhepunkt der Corona-gebeutelten Ausstellungssaison.

Katharina Grosse/VG-Bildkunst, Bonn 2020/Foto: Jens Ziehe

STAFFELEI

Grenzenloses Malen

Die raumübergreifenden Werke der Bochumer Künstlerin Katharina Grosse beeindrucken mit multidimensionalen Installationen und einer pulsierenden Farbwelt. Zu sehen sind sie derzeit in der historischen Halle des Hamburger Bahnhofs in Berlin. Ob Außenwand, Holzstuhl, Schuttberg oder Stahlcontainer – alles kann Teil des Kunstwerks werden. Die Künstlerin fordert unsere Wahrnehmung heraus: Ist das wirklich noch ein realer Raum? Fazit: „Katharina Grosse. It Wasn’t Us“ ist zweifellos ein Höhepunkt der Corona-gebeutelten Ausstellungssaison.

Katharina Grosse/VG-Bildkunst, Bonn 2020/Foto: Jens Ziehe

Markus Braun

Wirecard CEO, war sich auf der Hauptversammlung 2019 keiner größeren Verhaltensfehler bewusst.

Foto: imago images/Sven Simon

„Die Entlastung war vollumfänglich. Aus unserer Sicht gab es keine Compliance-Verstöße. Lediglich Qualitätsmängel, aber keine schweren.“

„Allwissend bin ich nicht; doch viel ist mir bewusst.“

Mephisto

Faust-Antagonist und Teufelsinkarnation

Foto: Hampel Fine Art Auctions

PULSGEBER

David gegen Goliath

Der österreichische Jurist und Autor Max Schrems ist der Datenschützer der Stunde. Mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) kippte er das Datenschutzabkommen „Privacy Shield“, auf dessen Grundlage personenbezogene Daten zwischen der EU und den Vereinigten Staaten transferiert wurden. Laut EuGH verstößt die Praxis gegen das Recht auf Privatsphäre und das europäische Datenschutzrecht, da die Daten in Amerika nicht ausreichend vor dem Zugriff von Behörden wie NSA und FBI geschützt werden. Schrems hatte sich zuvor bei der Datenschutzbehörde Irlands gegen die Übermittlung seiner Facebook-Daten in die Vereinigten Staaten beschwert. In der „Süddeutschen Zeitung“ erklärte er: „Uns geht es im Kern nicht darum, ob Facebook die Daten jetzt hin- und herschicken darf, sondern wie Europa mit Staaten umgeht, die Überwachungsgesetze haben.“ Mit seinem Urteil beschert der EuGH der EU also viel Arbeit.

Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

GEGEN DEN STROM

Grüner Apfel

Null Prozent Netto-Emissionen bis 2030 – von der Fabrik bis zum Elektroschrott. Das verspricht der Technologiekonzern Apple in seinem kürzlich vorgestellten Nachhaltigkeitsbericht. In zehn Jahren soll somit jedes Apple-Gerät, ob iPhone oder Apple Watch, an jedem Ort und zu jedem Zeitpunkt der globalen Lieferkette klimaneutral hergestellt werden. Noch vor fünf Jahren summierten sich Apples Emissionen auf 38,4 Millionen Tonnen CO2. Mit der Ankündigung geht Apple in den Wettbewerb mit dem Online-Händler Amazon: Dieser kündigt für 2040 Klimaneutralität an. Man darf gespannt sein, wie die Konzerne das hinbekommen wollen.

Foto: Laurenz Heymann/Unsplash