Gesellschaft

Foto: Edgar Rodtmann

Lasst die Schulen machen!

Daniel Dettling, Trendforscher am Frankfurter Zukunftsinstitut, hat die wichtigsten Lehren aus der Coronakrise für eine Reform der Schulen entwickelt. In mehrfacher Hinsicht sei jetzt Zeit für einen Aufbruch.


Digital

Der „DigitalPakt Schule“ von Bund und Ländern müsse „zum Startschuss einer neuen Bildungszeit werden“. Die beschlossenen 5,5 Milliarden Euro könnten nur eine Anschubfinanzierung sein, weitere Milliarden müssten folgen. „Die Ausstattung der Schulen mit digitalen Medien und Computern, die Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer sowie die Ausrichtung des Unterrichts auf die zukünftigen Anforderungen müssen im Mittelpunkt der Anstrengungen stehen.“


Freiheitlich

„Sinnvoll seien mehr Markt und Wettbewerb bei den Schulen. Sie bräuchten mehr Autonomie und müssten über Budgets verfügen – etwa, um selbst über zusätzliches Personal zu entscheiden, über Ausstattung, Unterrichtsgestaltung und schulische Angebote. So seien Leistungsunterschiede von Kindern mit unterschiedlichen familiären Hintergründen in denjenigen Bundesländern geringer, in denen mehr Schulen in nichtstaatlicher Trägerschaft sind.


Sozial

Vom Lernen zu Hause konnten vor allem die Kinder aus bildungsfernen und sozial schwächeren Familien weniger gut profitieren. Hilfreich seien „Sommerschulen“, die sich vornehmlich an Kinder aus einkommensschwachen und neu zugewanderten Familien richten. „Die Angebote sollten über die Ferien hinaus als digitale und kostenfreie Förderangebote verstetigt werden.“ .


Pädagogisch

„Die Zukunft gehört offenen Lernräumen statt starren Klassenverbänden“, schreibt Dettling. Diese böten auf die Bedürfnisse zugeschnittene Orte, an denen in Stillarbeit gelernt, gemeinsam experimentiert und gearbeitet oder sich entspannt werden könne. „Fächerübergreifender Unterricht, der Schülerinnen und Schüler schon früh dazu auffordert, interdisziplinär zu denken und Herausforderungen kreativ anzugehen, ist ebenfalls ein Konzept der Zukunft.“


Föderal

Der Föderalismus habe zu einem „Flickenteppich auf dem Gebiet der Bildung“ geführt. Ziel seien gleichwertige Lebensverhältnisse in ganz Deutschland. „Der deutsche Bildungsföderalismus braucht beides“, so Dettling: „Leistung und Gleichwertigkeit.“ Statt Kooperationsverbot sei ein Kooperationsgebot nötig.