Lockdown II

INTERVIEW

Härtetest für die internationale Zusammenarbeit

Herr Professor Heuss, Sie arbeiten und lehren als Mediziner in der Schweiz. Was kann Deutschland bei der Bekämpfung der Coronapandemie von der Schweiz lernen? Es ist noch zu früh, Bilanz zu ziehen. Im Vergleich zu Deutschland sind die nationalen Vorschriften in der Schweiz vergleichsweise moderat; man versucht einen Lockdown zu vermeiden und überlässt die Maßnahmen den Kantonen. Das führt natürlich zu Ausweichbewegungen – und als die Zahlen im Oktober durch die Decke gingen, haben wir befürchtet, dass dieser Föderalismus das Land ins Chaos stürzen werde. Mittlerweile habe ich mehr Zuversicht, dass ein solches pragmatisches und hochdifferenziertes Vorgehen auch von Vorteil sein kann. Bei aller Schwere der Situation ist es zumindest bisher nicht so chaotisch, wie man von außen betrachtet gelegentlich meinen könnte.   Gibt es einen Grund, optimistisch zu sein? Die Fortschritte bei der Entwicklung eines Impfstoffs stimmen mich optimistisch, aber das Überwinden der Pandemie wird gewiss länger als ein Jahr dauern. Darum bleibt Vorsicht auch in Zukunft wichtig. Individuell vernünftige Vorsicht ist ohnehin ein nachhaltig liberales Prinzip. Unter dem Strich müssen wir erkennen: Das Virus ist für uns alle neu und wir lernen täglich etwas dazu. Braucht es mehr europäische Kooperation im Kampf gegen die Pandemie? Die Pandemie ist ein Härtetest für die internationale Zusammenarbeit. Als sich das Virus erstmals in Europa verbreitete, zeigte die EU – immerhin eine selbst ernannte Verfechterin von Multilateralismus und politischer Integration – Zerfallserscheinungen. Grenzen wurden überhastet geschlossen und Lieferketten selbst für medizinische Produkte unterbrochen. In der Schweiz wartete man zwei Wochen auf Masken, die im Zollfreilager des Frankfurter Flughafens als Medizinalgut beschlagnahmt wurden. Das war eine besorgniserregende Entwicklung. Zwar gibt es inzwischen eine engere Abstimmung auf europäischer Ebene, aber man kann nur hoffen, dass Europa in künftigen Krisen schneller und geschlossener agiert. Grenzen zu schließen ist sicher kein probates Mittel. Sind wir künftig besser auf Pandemien vorbereitet? Das ist zu hoffen, vor allem auch, dass freiheitliche und demokratische Maßnahmen zum Ziel führen. Ein gutes Beispiel ist Taiwan, das die richtigen Schlüsse aus der SARS-Pandemie 2003 gezogen hat. Das gesamte taiwanesische Gesundheitssystem und die Seuchenschutzbehörde sind auf Pandemien vorbereitet gewesen und konnten entsprechend schnell und responsiv auf den Corona-Ausbruch reagieren. Daran muss sich auch die europäische Politik orientieren – denn Corona wird nicht die letzte globale Krankheit gewesen sein.

Prof. Dr. Ludwig Heuss (59) ist seit 2020 Kuratoriumsvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Er folgt auf Dr. Jürgen Morlok (75), der seit 1996 Vorsitzender des Kuratoriums war. Heuss ist hauptberuflich Chefarzt im Zürcher Spital Zollikerberg und hält eine Professur an der Universität Basel. Seit 2018 ist er Mehrheitseigner am Basler Schwabe-Verlag, dem ältesten Verlagshaus Europas. Heuss ist Enkel des FDP-Gründungsvorsitzenden und Bundespräsidenten Theodor Heuss.

Foto: Anne Preussel/photothek

Corona

Die Stimmen der Betroffenen (Teil 1)

Tuba Berkovych ist Freelancerin für Projekt- und Eventmanagement in Berlin. Die Veranstaltungs- und Eventbranche prangert seit Monaten unter dem Stichwort #AlarmstufeRot an, dass sie alleingelassen wird. Tuba kriegt über ihren Mann zudem auch noch die Leiden der schwer gebeutelten Gastronomie mit.

Videos: Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Marcel Weber ist Geschäftsführer im „SchwuZ". Er hat sich zusammen mit zahlreichen anderen Berliner Clubbesitzern unter dem Hashtag #AlarmstufeRot für Hilfen für die Veranstaltungsbranche starkgemacht. Viele der deutschen Clubs können aufgrund der aktuellen Beschränkungen keinerlei Veranstaltungen mehr durchführen.

Liliana Cataldo ist Inhaberin von „Complementum Giving. Living. You.“, einem Einrichtungs- und Geschenkeartikelladen in Berlin-Mitte. Als Selbstständige muss auch sie derzeit ums Überleben kämpfen. Sie sorgt sich um ihre Zukunft, denn finanzielle staatliche Unterstützung kommt bei Kleinstunternehmerinnen wie sie nicht an.

Tuba Berkovych ist Freelancerin für Projekt- und Eventmanagement in Berlin. Die Veranstaltungs- und Eventbranche prangert seit Monaten unter dem Stichwort #AlarmstufeRot an, dass sie alleingelassen wird. Tuba kriegt über ihren Mann zudem auch noch die Leiden der schwer gebeutelten Gastronomie mit.

Marcel Weber ist Geschäftsführer im „SchwuZ". Er hat sich zusammen mit zahlreichen anderen Berliner Clubbesitzern unter dem Hashtag #AlarmstufeRot für Hilfen für die Veranstaltungsbranche starkgemacht. Viele der deutschen Clubs können aufgrund der aktuellen Beschränkungen keinerlei Veranstaltungen mehr durchführen.

Liliana Cataldo ist Inhaberin von „Complementum Giving. Living. You.“, einem Einrichtungs- und Geschenkeartikelladen in Berlin-Mitte. Als Selbstständige muss auch sie derzeit ums Überleben kämpfen. Sie sorgt sich um ihre Zukunft, denn finanzielle staatliche Unterstützung kommt bei Kleinstunternehmerinnen wie sie nicht an.

Videos: Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit

PULSGEBER

Talk to me

Für den Onkel ist die Maske ein Symbol der Staatshörigkeit, die Oma hält Corona für eine reine Erfindung: Wie geht man mit Verschwörungsmythen um, wenn sie im direkten Umfeld auftreten? Die Berliner Webdesignerin Victoria Schrank bietet mit ihrem Start-up Talk To Me einen neuen Ansatz. In einem Onlinespiel können Gespräche mit Coronaleugnern trainiert werden. Je nach Antwort verändern sich die Gesprächssituation und der Verlauf des Austauschs. Schranks Erkenntnis: Es ist „wahrscheinlicher, jemandem eine andere Perspektive zu zeigen, wenn diese Person in deinem inneren Kreis ist und dir vertraut“.

Foto: Michael Farkas

CORONA AKTUELL

Online auf dem Laufenden

Die Maskenpflicht ist vielerorten verschärft, Restaurants und Kinos bleiben geschlossen, weniger Kunden dürfen in die Läden und der nächste Krisengipfel ist in Aussicht – permanent werden die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus aktualisiert und verstärkt, über Weihnachten aber auch gelockert. Liberal bietet in diesem Heft viel Lesenswertes zur Pandemie. Die aktuelle Entwicklung begleiten wir auch digital mit zahlreichen Beiträgen.

ÜBERWACHUNG

Mehr Daten = mehr Erfolg?

Asiatische Länder haben das Virus besser unter Kontrolle als wir. Oft wird dieser Erfolg auf den geringeren Datenschutz zurückgeführt, der eine vermeintlich effizientere Nachverfolgung der Infektionsketten erlaubt. Doch diese Analyse geht an der Realität vorbei: Die Frage ist nicht, ob wir mehr Daten im Kampf gegen die Pandemie benötigen, sondern ob wir die vorhandenen Daten richtig nutzen. „Die bloße Forderung nach mehr Daten wird nicht als Selbstläufer zum Erfolg führen“, schreibt Ann Cathrin Riedel, Themenmanagerin für „Digitalisierung & Innovation“ der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Es gibt bereits innovative Vorschläge, mit denen der Gesundheitsschutz mit dem Recht auf informelle Selbstbestimmung in Einklang gebracht werden kann. Wie das gelingt, lesen Sie im folgenden Artikel.

Foto: Qilai Shen/BLOOMBERG/Getty Images

PULSGEBER

Talk to me

Für den Onkel ist die Maske ein Symbol der Staatshörigkeit, die Oma hält Corona für eine reine Erfindung: Wie geht man mit Verschwörungsmythen um, wenn sie im direkten Umfeld auftreten? Die Berliner Webdesignerin Victoria Schrank bietet mit ihrem Start-up Talk To Me einen neuen Ansatz. In einem Onlinespiel können Gespräche mit Coronaleugnern trainiert werden. Je nach Antwort verändern sich die Gesprächssituation und der Verlauf des Austauschs. Schranks Erkenntnis: Es ist „wahrscheinlicher, jemandem eine andere Perspektive zu zeigen, wenn diese Person in deinem inneren Kreis ist und dir vertraut“.

Foto: Michael Farkas

CORONA AKTUELL

Online auf dem Laufenden

Die Maskenpflicht ist vielerorten verschärft, Restaurants und Kinos bleiben geschlossen, weniger Kunden dürfen in die Läden und der nächste Krisengipfel ist in Aussicht – permanent werden die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus aktualisiert und verstärkt, über Weihnachten aber auch gelockert. Liberal bietet in diesem Heft viel Lesenswertes zur Pandemie. Die aktuelle Entwicklung begleiten wir auch digital mit zahlreichen Beiträgen.

ÜBERWACHUNG

Mehr Daten = mehr Erfolg?

Asiatische Länder haben das Virus besser unter Kontrolle als wir. Oft wird dieser Erfolg auf den geringeren Datenschutz zurückgeführt, der eine vermeintlich effizientere Nachverfolgung der Infektionsketten erlaubt. Doch diese Analyse geht an der Realität vorbei: Die Frage ist nicht, ob wir mehr Daten im Kampf gegen die Pandemie benötigen, sondern ob wir die vorhandenen Daten richtig nutzen. „Die bloße Forderung nach mehr Daten wird nicht als Selbstläufer zum Erfolg führen“, schreibt Ann Cathrin Riedel, Themenmanagerin für „Digitalisierung & Innovation“ der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Es gibt bereits innovative Vorschläge, mit denen der Gesundheitsschutz mit dem Recht auf informelle Selbstbestimmung in Einklang gebracht werden kann. Wie das gelingt, lesen Sie im folgenden Artikel.

Foto: Qilai Shen/BLOOMBERG/Getty Images

CORONA-WARN-APP

Am Datenschutz scheitert die Corona-Bekämpfung nicht

Text: Ann Cathrin Riedel

Den Datenschutz lockern um den Gesundheitsschutz zu stärken? Bei der Corona-Warn-App wird eine ritualisierte Debatte entlang der bekannten Lager geführt. Die wichtigen Fragen werden dabei meistens ausgeklammert: Was kann die App leisten? Wo liegen die Probleme und welche Daten brauchen wir, um die gewünschten Ziele zu erreichen? Zusätzlich wird die Debatte geführt, als würde die App im luftleeren Raum handeln, als würde das Verhalten des Menschen irrelevant sein. Daten und Technologie haben aber generell nur einen Zweck: Sie müssen dem Menschen nützen. Sie sind Werkzeug zur Erreichung seiner Ziele, nie die Lösung selbst. Die bloße Forderung nach „mehr Daten“ wird nicht als Selbstläufer zum Erfolg bei der Virusbekämpfung führen. Die Debatte braucht also mehr Substanz. Der überbordende Datenschutz scheint laut einigen Politiker:innen und Kommentator:innen der Grund zu sein, der Deutschland davon abhält, Vorreiter der Digitalisierung zu werden und die Coronapandemie in den Griff zu bekommen. Doch sind es ausschließlich Daten, die in anderen Ländern der Schlüsselfaktor sind, mit dem die Pandemie in den Griff bekommen wurde? Taiwan und Südkorea werden hier gerne als Beispiele angeführt. Nur gilt selbst in hochtechnologischen Ländern: Daten handeln nicht alleine. Viel zu häufig wird beim Blick nach Ostasien vergessen, dass diese Länder eben nicht bloß auf Technologie setzen, sondern auch zahlreiche andere – meist ganz analoge – Maßnahmen eingesetzt haben, die zum erfolgreichen Umgang mit der Pandemie beigetragen haben. Dazu gehören einfacher mögliche Einreisekontrollen sowie die allgemein viel bessere Vorbereitung auf Pandemien aufgrund vorhandener Erfahrungen mit SARS-Viren.

Foto: prima91/Adobe Stock

CORONA-WARN-APP

Am Datenschutz scheitert die Corona-Bekämpfung nicht

Text: Ann Cathrin Riedel Foto: prima91/Adobe Stock

Den Datenschutz lockern um den Gesundheitsschutz zu stärken? Bei der Corona-Warn-App wird eine ritualisierte Debatte entlang der bekannten Lager geführt. Die wichtigen Fragen werden dabei meistens ausgeklammert: Was kann die App leisten? Wo liegen die Probleme und welche Daten brauchen wir, um die gewünschten Ziele zu erreichen? Zusätzlich wird die Debatte geführt, als würde die App im luftleeren Raum handeln, als würde das Verhalten des Menschen irrelevant sein. Daten und Technologie haben aber generell nur einen Zweck: Sie müssen dem Menschen nützen. Sie sind Werkzeug zur Erreichung seiner Ziele, nie die Lösung selbst. Die bloße Forderung nach “mehr Daten” wird nicht als Selbstläufer zum Erfolg bei der Virusbekämpfung führen. Die Debatte braucht also mehr Substanz. Der überbordende Datenschutz scheint laut einigen Politiker:innen und Kommentator:innen der Grund zu sein, der Deutschland davon abhält, Vorreiter der Digitalisierung zu werden und die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen. Doch sind es ausschließlich Daten, die in anderen Ländern der Schlüsselfaktor sind, mit dem die Pandemie in den Griff bekommen wurde? Taiwan und Südkorea werden hier gerne als Beispiele angeführt. Nur gilt selbst in hochtechnologischen Ländern: Daten handeln nicht alleine. Viel zu häufig wird beim Blick nach Ostasien vergessen, dass diese Länder eben nicht bloß auf Technologie setzen, sondern auch zahlreiche andere – meist ganz analoge – Maßnahmen eingesetzt haben, die zum erfolgreichen Umgang mit der Pandemie beigetragen haben. Dazu gehören einfacher mögliche Einreisekontrollen sowie die allgemein viel bessere Vorbereitung auf Pandemien aufgrund vorhandener Erfahrungen mit SARS-Viren.

Foto: prima91/Adobe Stock

Corona

Die Stimmen der Betroffenen (Teil 2)

Tobias Barwich ist Gastronom in Erfurt. Sein „Club Palais 13“ ist schon lange geschlossen, die Mitarbeiter des „Steakhouse Palais“ musst er entlassen. Trotz Finanzhilfen: Darf er seine Lokale nicht bald wieder öffnen, kann er seine Firma nicht retten.

Videos: Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Lola Klamroth ist Schauspielerin am Schauspiel Köln – mit ihrer Festanstellung verfügt sie über eine sichere Einkommensquelle. Doch gerade die vielen Selbstständigen im Showbusiness müssen aufgrund der erneuten Schließung der Theater und Kulturstätten um ihre Existenz bangen.

Jan Bachmann ist Mitgeschäftsführer der Bachmann Hotels in Erfurt und Thüringen. Die Situation ist brisant: 80 Prozent weniger Umsatz und Gäste während des Lockdowns. Seine größte Sorge gilt derzeit seinen 230 Mitarbeitern, die er auch in Zukunft weiterbeschäftigen will.

Tobias Barwich ist Gastronom in Erfurt. Sein „Club Palais 13“ ist schon lange geschlossen, die Mitarbeiter des „Steakhouse Palais“ musst er entlassen. Trotz Finanzhilfen: Darf er seine Lokale nicht bald wieder öffnen, kann er seine Firma nicht retten.

Lola Klamroth ist Schauspielerin am Schauspiel Köln – mit ihrer Festanstellung verfügt sie über eine sichere Einkommensquelle. Doch gerade die vielen Selbstständigen im Showbusiness müssen aufgrund der erneuten Schließung der Theater und Kulturstätten um ihre Existenz bangen.

Jan Bachmann ist Mitgeschäftsführer der Bachmann Hotels in Erfurt und Thüringen. Die Situation ist brisant: 80 Prozent weniger Umsatz und Gäste während des Lockdowns. Seine größte Sorge gilt derzeit seinen 230 Mitarbeitern, die er auch in Zukunft weiterbeschäftigen will.

Videos: Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

DIGITALE VERWALTUNG

Estlands Gesundheitssystem profitiert von der Digitalisierung

Text: Risto Kaljurand

Der nördlichste der drei baltischen Staaten schlägt sich in der Coronapandemie vergleichsweise gut. Dabei hilft unter anderem ein zentrales elektronisches Gesundheitsverzeichnis.

Die Coronapandemie ist eine harte Prüfung für die Gesundheitssysteme aller Welt. In Estland blieb die Lage im Frühjahr ruhig; die Krankenhäuser kamen gut zurecht. Die befürchtete Krise blieb aus. Und jetzt, wo der Winter mit der Last einer wesentlich höheren Infektionsrate beginnt, erweist sich das Virus-Tracking als sehr effektiv. Es gibt also Grund zur Zuversicht – auch weil das Gesundheitssystem viele hilfreiche Neuerungen erfahren hat, die seine Zugänglichkeit und Effektivität erheblich gesteigert haben. Wie immer in Estland spielt dabei die Nutzung digitaler Lösungen eine wichtige Rolle. Die Basis bildet das elektronische Gesundheitsverzeichnis (e-Health Record), zu dem jeder Patient einen Onlinezugang besitzt. Dieses System bündelt Daten von verschiedenen estnischen Gesundheitsanbietern zu einer gemeinsamen Datenbank für das ganze Land. Dieses Instrument ermöglicht den Ärzten einen direkten Zugriff auf die Patientendaten aus einer einzigen, zentralen elektronischen Datei. Dadurch können sie verschiedene Testergebnisse, zum Beispiel Röntgenbilder, unmittelbar nach der Dateneingabe heraussuchen. Das alles hilft auch weit abgelegenen Krankenhäusern. Der Datenschutz wird durch Nutzung der KSI*-Blockchain-Technologie gewährleistet.

Foto: Nicolas Lehni, Alari Kivisaar/Getty Images

DIGITALE VERWALTUNG

Estlands Gesundheitssystem profitiert von der Digitalisierung

Text: Risto Kaljurand Foto: Alari Kivisaar/Getty Images

Der nördlichste der drei baltischen Staaten schlägt sich in der Coronapandemie vergleichsweise gut. Dabei hilft unter anderem ein zentrales elektronisches Gesundheitsverzeichnis. Die Coronapandemie ist eine harte Prüfung für die Gesundheitssysteme aller Welt. In Estland blieb die Lage im Frühjahr ruhig; die Krankenhäuser kamen gut zurecht. Die befürchtete Krise blieb aus. Und jetzt, wo der Winter mit der Last einer wesentlich höheren Infektionsrate beginnt, erweist sich das Virus-Tracking als sehr effektiv. Es gibt also Grund zur Zuversicht – auch weil das Gesundheitssystem viele hilfreiche Neuerungen erfahren hat, die seine Zugänglichkeit und Effektivität erheblich gesteigert haben. Wie immer in Estland spielt dabei die Nutzung digitaler Lösungen eine wichtige Rolle. Die Basis bildet das elektronische Gesundheitsverzeichnis (e-Health Record), zu dem jeder Patient einen Onlinezugang besitzt. Dieses System bündelt Daten von verschiedenen estnischen Gesundheitsanbietern zu einer gemeinsamen Datenbank für das ganze Land. Dieses Instrument ermöglicht den Ärzten einen direkten Zugriff auf die Patientendaten aus einer einzigen, zentralen elektronischen Datei. Dadurch können sie verschiedene Testergebnisse, zum Beispiel Röntgenbilder, unmittelbar nach der Dateneingabe heraussuchen. Das alles hilft auch weit abgelegenen Krankenhäusern. Der Datenschutz wird durch Nutzung der KSI*-Blockchain-Technologie gewährleistet.

Daneben gibt es ein Instrument, mit dessen Hilfe sich ein Anruf in 30 Sekunden identifizieren und orten lässt (e-Ambulance). So kann ein Krankenwagen blitzschnell zur erwünschten Stelle geschickt werden, wo jemand rasche Hilfe braucht. Zusätzlich ermöglicht es dem Arzt, den Ausweiscode des Patientenoder der Patientin zu nutzen, um Informationen über dessen Blutdruck, Allergien, Vorerkrankungen und Behandlungen, Medikamente oder das Vorliegen einer Schwangerschaft zu erhalten. Zentralisiert und papierlos verläuft auch die Ausgabe und das Einlösen von Arzneirezepten (e-Prescription). Der Arzt verschreibt das Medikament mithilfe eines Onlineformulars. Der Patient, der in die Apotheke geht, muss dort dann einfach nur noch seinen Ausweis zeigen. Der Apotheker liest die Patientenangaben aus dem System ein und händigt danach das Medikament aus.

* Keyless Signature Infrastructure

Risto Kaljurand ist Leiter des estnischen Thinktanks Akademie des Liberalismus (Liberalismi Akadeemia MTÜ).

Foto: Alari Kivisaar/Getty Images

Foto: Nicolas Lehni, Alari Kivisaar/Getty Images

Michael Wendler

Der Schlagersänger tritt dem Zirkel der Verschwörungstheoretiker um Attila Hildmann und Xavier Naidoo bei.

Foto: Christoph Hardt/Geisler-Fotopress//picture alliance

„Jeder, der mit den übertriebenen Maßnahmen in Deutschland nicht einverstanden ist und sich dazu äußert, wird beseitigt.“

„Selbst im Hirn des weisesten Mannes gibt es einen törichten Winkel.“

Aristoteles

Der griechische Philosoph wusste, dass kein Mensch vollkommen ist.

Foto: PANAGIOTIS KARAPANAGIOTIS/Alamy Stock Photo

Michael Wendler

Der Schlagersänger tritt dem Zirkel der Verschwörungstheoretiker um Attila Hildmann und Xavier Naidoo bei.

Foto: Christoph Hardt/Geisler-Fotopress/picture alliance

„Jeder, der mit den übertriebenen Maßnahmen in Deutschland nicht einverstanden ist und sich dazu äußert, wird beseitigt.“

„Selbst im Hirn des weisesten Mannes gibt es einen törichten Winkel.“

Aristoteles

Der griechische Philosoph wusste, dass kein Mensch vollkommen ist.

Foto: PANAGIOTIS KARAPANAGIOTIS/Alamy Stock Photo

PULSGEBER

Talk to me

Für den Onkel ist die Maske ein Symbol der Staatshörigkeit, die Oma hält Corona für eine reine Erfindung: Wie geht man mit Verschwörungsmythen um, wenn sie im direkten Umfeld auftreten? Die Berliner Webdesignerin Victoria Schrank bietet mit ihrem Start-up Talk To Me einen neuen Ansatz. In einem Onlinespiel können Gespräche mit Coronaleugnern trainiert werden. Je nach Antwort verändern sich die Gesprächssituation und der Verlauf des Austauschs. Schranks Erkenntnis: Es ist „wahrscheinlicher, jemandem eine andere Perspektive zu zeigen, wenn diese Person in deinem inneren Kreis ist und dir vertraut“.

Foto: XXX

GEGEN DEN STROM

„Es ist uns nicht gleich, wenn Menschen verfolgt werden“

Der jemenitische Journalist und Jurist Abdul-Rahman Al-Zbib setzt sich gegen Menschenrechtsverletzungen in seinem Heimatland ein. Im Jemen-Krieg leiden grundlegende Menschenrechte wie die Pressefreiheit. In seinen Kolumnen kritisiert Al-Zbib die grassierende Korruption und stößt Gesetzesänderungen an. Er betreibt einen Radiosender, auf dem er in seiner Sendung „Window of Justice“ Bürgern Rechtshilfe anbietet. „Auch wenn wir hier gerade unter dem Krieg leiden, ist es uns nicht gleich, wenn Menschen verfolgt werden“, sagt er. Für sein Engagement hat ihn die Friedrich-Naumann Stiftung für die Freiheit nun mit dem Raif Badawi Award 2020 ausgezeichnet.

Fotos: Hani Al-Ansi/picture alliance/dpa und obs/Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

LIBERALE MENSCHENRECHTS- ARBEIT 2020