Gesellschaft

OK Millennial

Der „Kampf“ zwischen den Babyboomern und den jungen Leuten ist vorbei, denn jetzt schießt die Gen Z gegen die Millennials. Für die Boomer sind wir sehr gern mal eine Generation. Unmut darüber kommt jetzt von der Gen Z. Tut sich da jetzt wirklich ein neuer Generationenkonflikt auf?

OK Millennial

Der „Kampf“ zwischen den Babyboomern und den jungen Leuten ist vorbei, denn jetzt schießt die Gen Z gegen die Millennials. Für die Boomer sind wir sehr gern mal eine Generation. Unmut darüber kommt jetzt von der Gen Z. Tut sich da jetzt wirklich ein neuer Generationenkonflikt auf?

OK Millennial

Der „Kampf“ zwischen den Babyboomern und den jungen Leuten ist vorbei, denn jetzt schießt die Gen Z gegen die Millennials. Für die Boomer sind wir sehr gern mal eine Generation. Unmut darüber kommt jetzt von der Gen Z. Tut sich da jetzt wirklich ein neuer Generationenkonflikt auf?

Text: Noreen Thiel Fotos: Hertie School Berlin, Johannes James Zabel

Was ist „Gen Z“?

Die Generation Z, auch Gen Z abgekürzt, umfasst die Jahrgänge ab 1995 bis etwa 2012. Zur Gen Z gehöre auch ich, geboren 2003. Menschen der Gen Z sind von Geburt an Digital Natives und mit dem Internet, Smartphones und Computern groß geworden. Digitale Medien gehören völlig selbstverständlich in ihren Alltag. Sie haben auch eine andere Einstellung zur Arbeit: Ziele sind nicht länger eine steile Karriere und das Leben auf den Job auszurichten. Sie streben nach einer klaren Trennung von Arbeit und Freizeit, der „Work-Life-Separation“.

Und „Millennials“?

Die Generation Y, die „Millennials“, umfasst die Jahrgänge zwischen 1980 und 2000. Die Infragestellung von altbewährten, starren Hierarchien zeichnet die Generation besonders aus. Die Millennials zählen zu den Digital Na­tives der ersten Stunde. Sie haben den großen Internetboom und die Globalisierung miterlebt. Aber: Karriere und Privatleben trennen sie nicht so streng. Beides ergänzt sich und verschmilzt nahezu zum „Work-Life-Blending“.

Wo ist da jetzt der Konflikt?

Bisher waren es die Babyboomer, die zwischen 1955 und 1969 Geborenen, gegen die sich die Jüngeren verbündeten. Zum Beispiel mit einem ironischen „OK Boomer“, wenn die Alten wieder etwas Herablassendes gesagt oder getan haben. Die Boomer lenken die Politik, leiten die Wirtschaft und sitzen am längeren Hebel. Gegen sie konnte man sich einfach verbünden.

Begonnen hat der angebliche Konflikt zwischen Ylern und Zlern aber auf TikTok: „Ich habe es satt, mit Millennials in einen Topf geworfen zu werden – ich will nichts mit Leuten zu tun haben, die denken, ‚Harry Potter‘-Filme wären eine Charaktereigenschaft“, schrieb eine junge Frau in einem TikTok-Video. Schnell schwappte das Millennial-Ba­shing auch auf andere Plattformen über.

Aber da fängt es bereits an, denn die Gen Z besteht schon fast darauf, dass sie und die Millennials nicht eine Generation sind. Das bedeutet für Millennials nichts anderes als: Ihr seid nicht mehr das, was gemeint ist, wenn man von jungen Menschen redet!

Es gibt wesentliche Charakterzüge der Generationen, die Konfliktpotenzial mit sich bringen können: Die Gen Z sieht sich als Teil eines großen Ganzen, über das sie kaum, wenn nicht keine Kontrolle hat. Wenn die Generation sich mit sich selbst beschäftigt, findet das meist in einem gesamtgesellschaftlicheren Kontext statt. Außerdem inszeniert sie sich, anders als Millennials, nicht mehr als super interessante Einzelpersönlichkeit. Sie bilden eine Masse. Die Gen Z hat ihre Stimme stärken können, denn sie wird auch außerhalb ihrer eigenen Altersgruppe gehört. Dieses Verhalten spiegelt den Wunsch der Zler für eine Vervollkommnung der Gesellschaft wider.

„Corona ist ein Dämpfer, durch den viele Zler gemerkt haben, dass das Leben nicht immer so einfach ist, wie wir dachten.“

Der Millennial strebt hingegen eher nach persönlicher Selbstverwirklichung. Zwar haben die Millennials auch Veränderungen angestoßen, aber nur im persönlichen Umfeld. Nie programmatische. So wirken Millennials häufig ichbezogen. Nach dem Motto: Erst mal auf sich selbst konzentrieren, denn sich um mehr als das zu kümmern, ist irgendwie anstrengend.

Ein großer Unterschied zwischen Millennials und der Gen Z ist aber die Krisenfestigkeit. Während die meisten Zler mit der Coronapandemie zum ersten Mal in ihrem Leben aktiv eine Krise miterleben, kennen die Millennials Ereignisse wie den 11. September, die Attentate in deutschen Schulen und die Finanzkrise ab 2008. Anfang der 2000er war die Unsicherheit groß, der Arbeitsmarkt angespannt und die Berufschancen eher schlecht. Viele Millennials mussten um ihren Berufseinstieg fürchten. Für die Ideale, wie sie die Gen Z hat, war in diesem Alltag schlicht kein Platz. Aber Kritik ist die Gen Y gewohnt. Deswegen prallen Kommentare wie die der Zler weitgehend an ihnen ab.

„Heimliche Revolutionäre“

Der Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann von der Berliner Hertie School of Governance über die aufkommende „Generation Corona“.

Interview: Jordi Razum

Klaus Hurrelmann ist einer der bekanntesten Bildungsforscher Deutschlands und Co-Autor der Shell-Jugendstudien. Seit 2009 ist er Inhaber des Lehrstuhls für „Public Health and Education“ an der Hertie School of Governance in Berlin.

Herr Hurrelmann, unsere junge Autorin beschreibt die Konflikte zwischen Millennials und der Generation Z. Woher rührt das Unverständnis für die jeweils andere Generation? Wer in den Jahren vor der Jahrtausendwende aufgewachsen ist, hatte in seiner sensiblen Jugend nur wenige Gewissheiten. Eine Ausbildung, ein Studium oder einen Arbeitsplatz zu bekommen, war nicht selbstverständlich. Eine Wirtschaftskrise grassierte, die Arbeitslosenzahlen waren entsprechend hoch. Auch die Politik war am Wanken: Anschläge in New York und in zahlreichen europäischen Städten sowie der Krieg gegen den Terror haben Spuren hinterlassen. Die damalige Generation, die Generation Y, auch Millennials genannt, erlebte eine Fülle von kritischen Ereignissen, die eine Art soziale Traumatisierung hinterließen.

Wie unterscheidet sich das von der darauffolgenden Generation Z? Die Jahrtausendwende wurde zur sozialen Wasserscheide zwischen den Generationen. Wer danach geboren wurde, findet wunderbare Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt vor. Das ist ein enormer Vorteil. Die Babyboomer scheiden aus dem Arbeitsmarkt aus. Die Chance, einen Arbeitsplatz zu finden, ist entsprechend hoch. Die politischen Konstellationen und die Umweltsituation haben sich zwar nicht grundlegend verändert, aber es hat doch gereicht, um das politische Interesse und Engagement jüngerer Leute zu wecken. Die Millennials waren in ihrer Jugend dagegen mit sich selbst beschäftigt. Sie hatten praktisch gar keine Energie, um sich auch noch politisch und sozial zu betätigen.

Also sind die Millennials unpolitisch? Die Millennials sind mit zunehmender Sicherheit und einem boomenden Arbeitsmarkt zu Gestaltern geworden.

Aber verglichen mit der Generation Z sind sie keine Menschen, die mit politischen Deklarationen auf sich aufmerksam gemacht haben oder sich offen für bestimmte politische Ziele einsetzen. Sie sind heimliche Revolutionäre, sie regen sich immer erst dann, wenn sie einen festen Platz in der Gesellschaft gefunden haben. Die Millennials sind sensible Konsumenten mit hohen ethischen Maßstäben. So haben sie vieles von dem vorweggenommen, was dann die Jüngeren aufgreifen konnten.

Wie zeigt sich das? Die Generation Z ist deutlich stärker politisiert. Ein ungewohnt großer Anteil von fast 45 Prozent der heutigen Jugend ist politisch interessiert, etwa die Hälfte davon mit umweltpolitischem Impetus. Auch auf den Lebensstil wirkt sich das aus. Inspiriert durch Greta Thunberg, ist eine politische Bewegung entstanden. Das alles hat es unter den Millennials so nicht gegeben.

„Möglicher Zerfall“

Der Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann von der Berliner Hertie School of Governance über die aufkommende „Generation Corona“.

Interview: Jordi Razum

Klaus Hurrelmann ist einer der bekanntesten Bildungsforscher Deutschlands und Co-Autor der Shell-Jugendstudien. Seit 2009 ist er Inhaber des Lehrstuhls für „Public Health and Education“ an der Hertie School of Governance in Berlin.

Herr Hurrelmann, unsere junge Autorin beschreibt die Konflikte zwischen Millennials und der Generation Z. Woher rührt das Unverständnis für die jeweils andere Generation? Wer in den Jahren vor der Jahrtausendwende aufgewachsen ist, hatte in seiner sensiblen Jugend nur wenige Gewissheiten. Eine Ausbildung, ein Studium oder einen Arbeitsplatz zu bekommen, war nicht selbstverständlich. Eine Wirtschaftskrise grassierte, die Arbeitslosenzahlen waren entsprechend hoch. Auch die Politik war am Wanken: Anschläge in New York und in zahlreichen europäischen Städten sowie der Krieg gegen den Terror haben Spuren hinterlassen. Die damalige Generation, die Generation Y, auch Millennials genannt, erlebte eine Fülle von kritischen Ereignissen, die eine Art soziale Traumatisierung hinterließen.

Wie unterscheidet sich das von der darauffolgenden Generation Z? Die Jahrtausendwende wurde zur sozialen Wasserscheide zwischen den Generationen. Wer danach geboren wurde, findet wunderbare Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt vor. Das ist ein enormer Vorteil. Die Babyboomer scheiden aus dem Arbeitsmarkt aus. Die Chance, einen Arbeitsplatz zu finden, ist entsprechend hoch. Die politischen Konstellationen und die Umweltsituation haben sich zwar nicht grundlegend verändert, aber es hat doch gereicht, um das politische Interesse und Engagement jüngerer Leute zu wecken. Die Millennials waren in ihrer Jugend dagegen mit sich selbst beschäftigt. Sie hatten praktisch gar keine Energie, um sich auch noch politisch und sozial zu betätigen. Also sind die Millennials unpolitisch? Die Millennials sind mit zunehmender Sicherheit und einem boomenden Arbeitsmarkt zu Gestaltern geworden. Aber verglichen mit der Generation Z sind sie keine Menschen, die mit politischen Deklarationen auf sich aufmerksam gemacht haben oder sich offen für bestimmte politische Ziele einsetzen. Sie sind heimliche Revolutionäre, sie regen sich immer erst dann, wenn sie einen festen Platz in der Gesellschaft gefunden haben. Die Millennials sind sensible Konsumenten mit hohen ethischen Maßstäben. So haben sie vieles von dem vorweggenommen, was dann die Jüngeren aufgreifen konnten. Wie zeigt sich das? Die Generation Z ist deutlich stärker politisiert. Ein ungewohnt großer Anteil von fast 45 Prozent der heutigen Jugend ist politisch interessiert, etwa die Hälfte davon mit umweltpolitischem Impetus. Auch auf den Lebensstil wirkt sich das aus. Inspiriert durch Greta Thunberg, ist eine politische Bewegung entstanden. Das alles hat es unter den Millennials so nicht gegeben.

Was bleibt?

Ich nehme meine Generation als vorantreibend wahr. Doch ich habe viele Freunde in der Generation Millennial, weswegen mir die Identifikation mit der Gen Z ab einem bestimmten Punkt schwerfällt. Auch mit TikTok kann ich wenig anfangen. Und Corona ist ein Dämpfer, durch den auch viele Zler wie ich gemerkt haben, dass das Leben nicht immer so einfach ist, wie wir immer dachten.

Aktuell fühlt sich dieser „Konflikt“ zwischen Millennials und Zlern eher als Kleinigkeit an. Man findet die etwas Älteren einfach ein bisschen cringe in ihrem Social-Media-Auftritt. Da liegen aber in meinen Augen noch keine tiefen Gräben. Ich finde aber auch so manchen Auftritt Gleichaltriger eigenartig. Also vielleicht alles nur halb so wild.

Noreen Thiel (17) ist FDP-Mitglied und macht in Brandenburg Social Media Campaigning für die Jungen Liberalen.

Foto: Johannes James Zabel